"Peel Sessions" ist ein Wunder! Eine Offenbarung! Ein phantastischer Lichtblick im finsteren Tal der zeitgenössischen Popmusik. Auf ihm feiern die einstigen Synthesizer-Helden von OMD eine Wiederauferstehung, die lebendiger und dynamischer nicht ausfallen konnte. Auf dem Album sind Aufnahmen früher Tracks der Band versammelt, die OMD damals für die John Peel-Show von BBC Radio I aufgenommen hatte. Zumeist war die Radiosendung die erste Veröffentlichung der Stücke, noch bevor sie auf dem Album erschienen waren, und alle klingen anders als später auf dem Album. Zum Teil sind die Peel-Versionen gelungener als die spätere LP-Fassung. So ist "Pretending To See The Future" hier deutlich kraftvoller. In "Genetic Engineering" marschiert ein stählern stampfendes Hämmern, das klingt, als sei es auf einer Werft aufgenommen - der Effekt ist famos und der Flavor des Songs radikal anders! Und "Dancing" ist hier zu einer elektronischen Soundkollage geraten, die noch bizarrer ausfällt als die Albumversion. --- Dieses Album beweist einmal mehr, dass damals vor über zwanzig Jahren mit Andy McCluskey und Paul Humphreys, den einstigen Köpfen von OMD, begnadet kreative Musiker die Elektro- und Synthesizer-Szene betreten hatten. Sie bereicherten sie mit vielseitigen Popsongs, deren Gefühlsspektren von Melancholisch bis Euphorisch variierten. Die Stücke waren zumeist nicht länger als fünf Minuten, sie waren im Gegensatz zu Kraftwerks Produkten tatsächlich gesungen statt nur tonlos heruntergesprochen und - sie hatten Rhythmus und ungeheuer gute, meist sehr simpel gestrickte Melodien. Das alles - Pop im besten Sinne - kombinierte OMD mit einfallsreichen Synthesizer-Arrangements und Soundeffekten, die dem Produkt ein technologisches, sehr eigenwilliges Gewand gaben. Fazit: für den Fan ist diese Scheibe wie Weihnachten und für denjenigen, der vielseitige elektronische Musik jenseits des Dancefloor-Techno mag, sehr zu empfehlen. Wer mit OMD aber nur ihre späteren Popsongs verbindet, sei gewarnt: er sollte unbedingt vorher Probehören.