Pedro Páramo ist ein kurzer Roman, aber zugleich von monumentaler Trostlosigkeit. Juan Rulfo schildert ein ländliches Mexiko, das unter archaischen Gewaltverhältnissen leidet und von toten, unerlösten Seelen bevölkert wird. Nicht einmal die Mexikanische Revolution hat einen Einfluss auf das existenzielle Elend der Dörfler gehabt, die von Gott und Gesetz im Stich gelassen zu sein scheinen - auf ewig. Erst im Verlauf des Buches erfährt man, dass die Menschen, mit denen der Ich-Erzähler spricht, Gespenster sind. Und noch mehr: Der Erzähler liegt selbst seit längerer Zeit im Grab. Mit seinem kunstvoll spröden Stil und der kühnen, fragmentarischen Struktur des Buches war Rulfo seiner Zeit weit voraus. Es fällt nicht leicht, sich in der vielstimmigen, mehrfach zeitversetzten Erzählung zu orientieren. Trotzdem sorgt das Buch für ein erschütterndes Leseerlebnis. Nachdem Juan Rulfo sich diesen Stoff von der Seele geschrieben hatte, veröffentlichte er in seinen rund 30 weiteren Lebensjahren kaum noch etwas. Sein einziger Roman entwickelte sich in dieser Zeit allerdings zu einem wegweisenden Meisterwerk der lateinamerikanischen Literatur