Vor einigen Tagen bin ich durch die packenden Ausführungen meiner Mitrezensenten Tonio Gas und Ray darauf aufmerksam geworden, daß Sam Peckinpahs Filmdebüt "The Deadly Companions" (1961) endlich in einer würdigen DVD-Version von Koch Media auf den Markt gebracht wurde, und gestern dann ritten die Gefährten des Todes bei mir über den Bildschirm.
Peckinpah, der sich bereits als Autor verschiedener TV-Western-Serien - darunter auch für den Klassiker "Gunsmoke" - einen Namen gemacht hatte, erzählt in seinem ersten Western die Geschichte eines namenlosen Ex-Soldaten (Brian Keith), der auf der Suche nach dem Manne ist, der ihn vor fünf Jahren auf einem Schlachtfeld des Bürgerkrieges skalpierte. Seither streift er umher, um diesen Mann zu finden, von der Gesellschaft isoliert durch sein beherrschendes Verlangen nach Rache und durch sein Bemühen, seine Entstellung mit einem Hut zu verbergen. Letzteres wird deutlich, wenn er einen Gottesdienst verlassen muß, weil er sich weigert, seinen Hut abzunehmen. Zufällig stößt er in einem Saloon auf zwei Falschspieler und Banditen, in deren einem, Turk (Chill Will), er seinen ehemaligen Peiniger wiedererkennt. Ihnen schließt er sich an, um in einem geeigneten Moment an Turk Rache zu nehmen. Dabei muß er allerdings vorsichtig zu Werke gehen, denn der andere der beiden Männer, Billy Keplinger (Steve Cochran), ist ein geschickter Revolverheld und unser Namenloser kann wegen einer alten Schußverletzung seinen Arm nicht mehr richtig heben. In Gila City, wo die drei Männer Halt machen, um eine Bank auszurauben, kommt es zu einer Schießerei, bei der der Namenlose versehentlich einen kleinen Jungen erschießt. Dessen Mutter, Kit Tilden (Maureen O'Hara), ist in Gila City als Prostituierte verfemt, und niemand dort glaubt ihr, daß ihr Sohn ein ehelich geborenes Kind ist. Angewidert von der religiösen Heuchelei der feineren Damen in Gila City, beschließt sie, ihr Kind in Siringo neben seinem Vater zu begraben. Der Haken ist nur, daß Siringo mittlerweile zur Geisterstadt geworden ist und in von Apachen beherrschtem Gebiet liegt. Gegen den Willen Kits folgen die drei Männer der von den "anständigen" Bürgern bei dieser Reise im Stich gelassenen Frau - der Namenlose aus Schuldgefühl, Billy, weil er Kit sexuelle Avancen machen will, und Turk, weil ihm nichts anderes übrig bleibt. Eine geisterhafte und äußerst spannende Odyssee nimmt ihren Anfang ...
Peckinpah hatte als junger Regisseur keinerlei Einfluß auf das von ihm in großen Teilen abgelehnte Script, da der herrschsüchtige Produzent FitzSimons das Ziel verfolgte, seine Schwester Maureen O'Hara gebührend in Szene zu setzen, und in seinem Regisseur nur eine ausführende Gewalt sah, und so ist vieles von dem, was wir in "The Deadly Companions" - etwa die Abrechnung zum Schluß - vor uns haben, nicht auf Peckinpahs Mist gewachsen. Auch der Score, der mir ausnehmend gut gefallen hat - die Titelmelodie, eine melancholische Weise, etwa wird von der O'Hara selbst gesungen -, stieß auf das Mißfallen des Regisseurs. Für die Kamera konnte immerhin der Titan William H. Clothier gewonnen werden, der mit Peckinpah sympathisierte und die traurige Fabel mit gebührend surrealen Bildern in Szene setzte.
Peckinpah hatte keine Befugnis, mit Maureen O'Hara über ihre Rolle zu sprechen, und hier liegt meines Erachtens der einzige Schwachpunkt dieses ansonsten großartigen Films. Dieser Western lebt von der beeindruckend starken Figur Kit Tildons, aber dennoch mußten ihr triviale Sätze wie "I feel I know you better than any man I've ever known, yet I hardly know you at all" über die Lippen gehen, weil an Sid Fleischmanns Drehbuch nicht gerüttelt werden durfte. Auch halte ich es für unwahrscheinlich, daß diese liebende Mutter so wenig Trauer über den Tod ihres Sohnes empfindet - sie scheint in erster Linie zornig zu sein und denkt sofort an die Verachtung, die ihr von seiten der "anständigen" Bürgerfrauen entgegenschlägt - und daß sie sich später noch in den Mann verlieben kann, der für den Tod des Kindes verantwortlich ist. Hier werden die Figuren zu sehr in Richtung eines Happy Ends getrieben. Die Reise zum Friedhof der Geisterstadt scheint Kit außerdem nicht so sehr wegen ihres toten Jungen zu unternehmen, sondern um durch das Finden des Grabes ihres Ehemannes (sich?) zu beweisen, daß sie eine anständige Frau ist; diese Achillesferse macht allerdings auch ihre Stärke aus und erweckt das Interesse des Zuschauers.
Der Namenlose selbst ist einer der ersten Antihelden der Westerngeschichte. Ein gebrochener Mann, wird er nur noch von dem Bestreben nach Rache angetrieben, das ihn sogar daran hindert, seine Schußverletzung behandeln zu lassen, und das ihn am Ende immer wieder brüsk aus den Armen der ihn liebenden Frau treibt, der er längst seine innerlichen und äußerlichen Entstellungen offenbart hat. Untypisch für viele Antihelden des Westerns - wenn man einmal von dem von mir ungeliebten "McCabe & Mrs. Miller" absieht -, ist der Namenlose dem Partner seines Widersachers auch mit dem Revolver deutlich unterlegen. Das Herz zog sich mir zusammen, als er in einer Szene, aufgeschreckt durch einen von Billy übermütig abgegebenen Schuß, seine Waffe zieht und diese fallenläßt, wobei Clothiers Kamera auch noch auf dem im Staub liegenden Schießeisen in einer eigenen Einstellung herumreitet. Dies ist ein schwacher Mann, der allenfalls durch seine Erfahrung und seine Entschlossenheit punkten kann.
Besonders gelungen sind die beiden Schufte der Fabel, die allerdings auch ihre sympathischen Seiten haben. Der übermütige und schießwütige Billy, der auf der Flucht vor sich selbst zu sein scheint - dies wird am Anfang des Filmes suggeriert, als er bei seiner Flucht sich noch Zeit nimmt, um sein Spiegelbild zu zerschießen - ist zwar so verroht, daß er nicht davor zurückschreckt, sich einer Frau aufzudrängen, die ihr erst am Vortag getötetes Kind hinten auf der Kutsche mit sich herumfährt, aber irgendwie glaubt man immer noch, daß er am Ende einen sympathischen Kern zeigen wird. Der sich stets an Kakteen reibende und sich auf Bäumen räkelnde Turk erinnerte mich kurioserweise an den fetten Kater aus "Pinocchio", und immer wenn er seinen absurden Vorstellungen nachhängt, mit geraubtem Geld eine Armee aufzustellen und seinen eigenen Staat zu etablieren, driftet der Score in eine furiose, aber leise gehaltene Marschmusik ab, wie der Wahnsinn, der Turk ins Ohr flüstert. Diese beiden Gestalten vergißt man nicht so rasch.
Zu anderen Aspekten des Filmes haben Ray und Tonio ja schon ausgiebig Stellung bezogen, und ich kann mich ihrem Urteil über die Klasse dieses Filmes nur anschließen.