Knapp zehn Jahre nach ihrem Debütalbum Ten präsentieren Pearl Jam wieder ein Album mit all ihren Stärken - kräftiger, schnörkerlloser Hardrock ohne große Ausfälle. Ihre musikalischen Abstecher (manche nennen es Künsteleien), die schon auf ihrem zweiten Wurf Vs. zu erkennen waren, bis hin zu Riot Act aus dem Jahre 2002. Und immer wieder fragte man sich, wohin die Band eigentlich wolle. Welches Ziel verfolgen sie, haben sie eigentlich den Sound, den signifikanten PJ-Sound?
Und nun bleibt nichts anderes übrig als die einstigen musikalischen Wurzeln: muskulöser, leicht abschweifiger Rock, aufgepuscht durch Eddie Vedders erfrischende Aufrichtigkeit in den Lyrics, sodass man sich immer mehr damit identifizieren kann, sofern man auch einen solch protestantischen Charakter wie Ed hat. Noch nie haben sich Pearl Jam so hart und direkt angehört wie hier - selbst auf Ten zeigte deren Musik eine gewisse Elastizität, teilweise durch Jeff Aments bundloses Bassspiel bedingt, das wiederum eine rundere Dynamik zuließ. Dies hielt PJs Sounds nahezu davon ab, sich direkt bis zu den Gedärmen durchzuschlagen, quasi ohne Kompromisse. Pearl Jam hört sich aber diesmal so kompromisslos an, und das ist das erfrischende und, zugegeben, auch überraschende Element dieser Scheibe. Denn so wirklich gerechnet hat man damit nun nicht. Gerade auf der ersten Hälfte hört sich alles sehr kraftvoll und wütend an, wie beispielsweise "Life Wasted", "World Wide Suicide", "Comatose", "Severed Hand" und "Marker in the Sand". Jedes Lied toppt das vorherige auf seine Art und Weise. Dadurch klingt das Album authentischer und feuriger. Auch die Balladen sind ein wichtiger Bestandteil von Pearl Jam - eingeleitet wird der ruhige Teil durch "Parachutes", womit sich der Sound für das Weichere und Einfühlsamere öffnet. Auch wenn die zweite Hälfte eine größere Vielfalt von Tempiwechseln hat, bietet es immer noch eine grandiose Anzahl von Rockern: angefangen beim ironischen Stolzieren von "Uemployable" bis hin zum furiosen "Big Wave". Abgerundet wird alles durch de beiden Schlusslichter des Albums "Come Back" und "Inside Job", wobei letzeres an "Indifference" und "Release" erinnert, mit seiner anmutigen Magik und träumerischen Weite, die der Sound, und vor allem das Intro, hergeben. Der Soultouch von "Inside Job" erinnert auch irgendwie an "Black", wobei "Inside Job" durchaus epischer klingt und somit auch den besseren Schlusssong eines Albums darstellt.
Pearl Jams Wut und Ärger ist auf dto. anders als auf deren Vorgängern. Eddie Vedder schaut mehr auf die Welt als solches, auf die Probleme der USA, und vor allem auf die, die durch GW Bush verursacht werden ("World Wide Suicide"). All seine Texte und die damit herauskommende Wut und Frustration machen Pearl Jam womöglich zu dem Protestalbum des Jahres, wenn nicht sogar seit Anfang 2000. Außerdem ist die Stärke des Albums, dass es einfach als reine Musik genossen werden kann, ohne dass man sich zu sehr auf Vedders Texte konzentrieren muss. Diesmal steht die Musik mehr im Vordergrund. Vedders Texte scheinen nicht so metaphorisch und bildgeladen zu sein wie sonst immer. Alles musikalische, das die Band anpackt, scheint außerdem zu gelingen. Ob es nun der Hardrock von "Life Wasted" oder der ruhige Part wie "Parachutes" ist.
Seit Vitalogy haben sich Pearl Jam nicht mehr so frisch, direkt und lebend angehört wie hier.