Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass der Name dieses Hörspiels und des Ortes an dem es spielt identisch sind. "Pavor" ist das lateinische Wort für Angst, aber so nennt man auch in der Psychiatrie die kindliche Art von Albträumen, aus denen man schweißgebadet und mit stark klopfendem Herzen erwacht. In einem von diesen Träumen findet sich der Protagonist Alexander hier wieder. Der Titel dieses Hörspiels ist Programm, sogar beim zweiten oder dritten Mal Hören lauscht man mit Herzklopfen und Gänsehaut eine gute Stunde lang seiner tragisch-schaurigen Geschichte.
Die vereinzelt an alte ukrainische Volksweisen erinnernde, ausdrucksstarke Hintergrundmusik fördert die von Anfang an angespannte Stimmung und auch die gut abgestimmte Geräuschkulisse trägt sehr zur besonderen Atmosphäre der Geschichte bei. Vor allem aber sind es die Sprecher, die mit ihrem engagierten Einsatz für echtes Gänsehautfeeling sorgen. Als Erzähler und Hauptfigur Alexander führt Oliver Rohrbeck durch die Story. Jede Gefühlsregung des jungen Mannes wird durch ihn spürbar und so leitet er den Hörer fließend durch die Handlung. Als Onkel Iwan ist Jürgen Thormann zu hören, der schon mit einem einzigen Wort ein beklemmendes Gefühl entfachen kann. Seine dunkle, raue Stimme passt perfekt zur Rolle des alten Mannes, die er mit sehr viel Leidenschaft verkörpert. Margit Bendokat als Alexanders Mutter und Karin David als Großtante Sonja präsentieren zwischen dem Rest der Verwandtschaft auf eindrucksvolle Weise die Familie Alexanders und deren impulsive Streitkultur. Beiden kauft man ihre Rolle sofort ab, ebenso wie Andreas Mannkopff als der versoffene und genauso streitsüchtige Onkel Andrej. Auch die jüngeren Sprecher Cedric Eich und Moritz Russ verstehen es mit ihrem unbeschwerten Spiel zu begeistern, sodass ein wunderbar stimmungsvolles Gesamtpaket entsteht.
Autor Florian Bald ist es gelungen, durch sein Spiel mit Realität und Einbildung dafür zu sorgen, dass man nicht nur gebannt seiner Geschichte folgt, sondern dass man sie am Ende sofort noch einmal hören muss. Es kommt jedes Mal wieder ein leichtes Gruselgefühl auf, besonders wenn man die Hintergründe bereits kennt.
Eine rundum gelungene Produktion, die an die Tradition guter alter Schauergeschichten anknüpfen kann und besonders in dieser dunklen Jahreszeit für ein eindrucksvolles Hörerlebnis sorgt.