Felix Mendelssohn Bartholdys erstes großes Oratorium '"Paulus'" ist nicht eben das am häufigsten eingespielte seiner Werke. Aus den vergleichsweise wenigen Aufnahmen ragt besonders Kurt Masurs Leipziger Einspielung aus dem Jahre 1987 als Glanzpunkt heraus. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Der offenkundigste ist, dass Kurt Masur zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Schaffens- und Deutungskraft war. Von der Steinigung des Stephanus an, über die Wandlung des Saulus zum Paulus bis hin zu dessen Abschied von der Gemeinde: 'Masur zeichnet stilsicher und glaubwürdig die Geschichte des Propheten nach, badet in der herrlichen Vielfalt des Mendelssohn'schen Idioms, ohne dabei nur Glanz und Glitter zu präsentieren oder mit bloß akademischer Akribie bemüht nach einer 'vermeintlich modernen' Interpretation zu fahnden. Statt dessen musizieren Masur und seine Mitstreiter einen sinnfälligen '"Paulus"' ganz im Rahmen der deutschen romantischen Tradition. Und was für Mitstreiter sind dies: Theo Adam in der Titelrolle, zwar nicht mehr ganz so frisch wie in Sawallischs "Elias"-Aufnahme, aber doch noch voll der prophetischen Begeisterung; Hans Peter Blochwitz, gewohnt elegant, differenziert und klangschön und dann noch Gundula Janowitz, die die kleine Arie '"Jerusalem, die du tötest die Propheten" so glasklar, schlicht und bewegend bringt, dass sich der Kauf der Aufnahme allein schon wegen dieser 2 Minuten 30 Sekunden rentiert. Glorios auch die Leistung, die der Rundfunkchor Leipzig abliefert: Da brodeln die an Bach und Händel geschulten Chöre ('"Dieser Mensch hört nicht auf'"), die Choralsätze könnten verinnerlichter nicht sein und die Lieblichkeit der durch und durch romantischen Chöre ('"Siehe! Wir preisen selig" / "Wie lieblich sind die Boten") ist quasi keine Grenze gesetzt. Besser kann man das schlicht nicht singen. Ein verlässlicher Partner ist allen Beteiligten das exquisit musizierende Gewandhausorchester, das mit dieser Aufnahme erneut beweist, wie oratorienfähig es ist, ohne die eigene Gestaltungskraft und Präsenz unter den Scheffel stellen zu müssen.
Und so eine Aufnahme zu dem Preis. Eine bessere Anlage kann man als Oratorienfan kaum tätigen.