Wie Slavoj Zizek frech in seiner Interpretation von Badious Paulus-Buch in "Die Tücke des Subjekts" schreibt, ist Badiou "einer der letzten großen fanzösischen Autoren in der Tradition katholischer Dogmatiker von Pascal bis Malebranche". Frech, ist die Interpretation, weil Badiou ja gerade den Versuch unternimmt, das paulinische Denken auf seine Grundmauern hin abzubauen, um zu einem reinen Denken des Ereignisses und der Gnade ohne Theologie vorzustoßen. Und dennoch trifft Zizek einen wahren Punkt, der ja auch Derrida, Agamben, Taubes und so fort betrifft. Inwiefern kann es eine Struktur geben die atheologisch ist, zugleich aber inhaltlich theologisch bestimmt ist.Unter diesem Gesichtspunkt gelesen, behandelt dass Buch also eine der Grundfragen unserer Zeit: Wie kann es einen radikalen Wandel ohne göttliche Intervention geben ?
Diese Grundfrage beantwortet Badiou virtuous in dem er die Hauptstrukturelemente des paulinischen Denkens für sein materialistisches Denken umdeutet (Glaube, Liebe, Hoffnung, Gnade, Treue zum Ereignis), ohne die schier uferlose theologische Literatur zu verwenden.
Fazit: Ein Buch für Leser, die sich philsophisch für Paulus interessieren und vielleicht die Bücher von Agamben, Taubes und Derrida schon kennen und weitere Orientierung suchen. Aber auch Theologen sollten sich für dieses Buch erwärmen, denn es liefert virtuose Begriffsanalysen, die doch in der theologischen Paulus-Interpretation, die sich immer mehr in Details verliert, so selten geworden ist. Das Buch ist wie üblich bei diesem Verlag moderat bis schlecht übersetzt.