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Paula Spencer
 
 
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Paula Spencer [Broschiert]

Roddy Doyle , Renate Orth-Guttmann
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 301 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (12. April 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596185092
  • ISBN-13: 978-3596185092
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 426.465 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Roddy Doyle
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung


Direkt und kraftvoll erzählt Booker-Prize-Träger Roddy Doyle von der 48-jährigen Paula Spencer, die seit wenigen Monaten trocken ist und immer kurz vor dem Rückfall um Normalität in ihrem Leben ringt. Ein schwieriges Unterfangen, da ihr die alltäglichen Handlungen zunehmend befremdlich erscheinen.
Doyles zugleich knapper und authentischer Stil bringt den Leser so dicht an die Figur der Paula heran, dass sich all ihr Tun unmittelbar zu vergegenwärtigen scheint.

Über den Autor

Roddy Doyle, geb. 1958 in Dublin, ist einer der bekanntesten Vertreter der neueren irischen Literatur. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Dublin.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Dr. Ursula Kempf TOP 100 REZENSENT
Format:Broschiert
"Sie kommt klar. Oft. Meist sogar. Sie kommt klar. Und manchmal auch nicht. Überhaupt nicht ... In ein paar Wochen wird sie achtundvierzig. Aber das stört sie nicht. nicht wirklich. Seit über vier Monaten hat sie nichts mehr getrunken. Seit vier Monaten und fünf Tagen ... Eine lange Zeit."

In melodischen kurzen Sätzen schildert der 52-jährige Ire Roddy Doyle ein Jahr aus dem Leben einer Putzfrau. Sie lebt von einem Tag auf den anderen. Hat kaum Geld. Nur für das Nötigste. Und kämpft vierundzwanzig Stunden am Tag gegen die fast übermächtigen Dämonen ihrer Alkoholsucht. Paula Spencer hat es nicht leicht gehabt. Sie hat vier Kinder von einem Mann, ihrem Mann, der sie scher gedemütigt und mißhandelt hat. Das erfährt der Leser in Rückblenden. Vor neun Jahren hatte sie endlich die Kraft, ihn zu verlassen. Vier Jahre später wurde der Kleinkriminelle bei einem Raubüberfall mit Entführung von der Polizei tödlich getroffen. Ihren Kummer und ihr Ohnmachtsgefühl hat sie in Alkohol ertränkt. Ihren vier Kindern war sie keine gute Mutter. Dafür schämt sie sich heute in Grund und Boden. Und es ist rührend, miterleben zu dürfen, wie wichtig ihr jetzt ein absolut ehrliches Verhältnis zu ihren Kindern ist. Insbesondere den beiden, Leanne und Jack, die noch bei ihr wohnen. Sie geht hart mit sich ins Gericht. Es wird nichts mehr beschönigt. Sie ist ehrlich, auch wenn es schmerzt. Und sie bemüht sich. Sie bemüht sich, eine gute Mutter zu sein. Und das ist einfach rührend. Und sie schafft es auch, wieder ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern aufzubauen. Das treibt einem die Tränen in die Augen. Denn das schaffen nicht mal alle Eltern ohne Alkoholproblem.
"Paula lacht. Sie lachen alle dreiund können sich dabei in die Augen sehen. Es ist verrückt. Es ist der schönste Augenblick in ihrem Leben."

Sie schafft das, doch die Sucht ist allgegenwärtig. "Sie braucht einen Schluck. Jetzt gleich. Die Gier ist noch da. Sie sitzt hier, weil sie sich dazu gezwungen hat. Sie würde sich lieber beschäftigen. Wenn sie was zu tun hat, ist die Gier nicht so arg. Oder wenn sie sich entspannen könnte, sie würde gern lernen, wie man das macht. Aber Entspannung ist auch irgendwie eine Falle. Sie lehnt sich zurück, und sie sitzen neben ihr. Die Gier, der Durst - jetzt und hier."

Der Roman ist nicht in Kapitel unterteilt. Es geht einfach immer weiter. So ist auch Paula`s Leben im Kampf gegen die Sucht. Die Sucht ist allgegenwärtig. Es ist egal, ob es Tag oder Nacht ist. Ein Tag gleicht dem anderen und der Gegner ist immer allgegenwärtig. Doch trotz aller Härte, aller Mühen und Strapazen strahlt dieser Roman eine unglaubliche Wärme und ganz viel Hoffnung aus. Das Leben ist schön. Auch wenn man gefallen ist, tief, ganz tief gefallen ist, lohnt es sich, aufzustehen und zu kämpfen. Denn der unbändige Überlebenswille wird belohnt. Am Ende wartet vielleicht sogar eine neue Liebe ...

Unfassbar ist, wie spannend diese wunderschöne Geschichte einer kleinen tapferen Frau am Rande der Gesellschaft geschrieben ist. Wie sehr einem Paula ans Herz wächst. Wie ungern man sich am Ende des Buches von ihr verabschieden mag. Ich kann Ihnen diesen wunderbaren hoffnungsvollen Überlebenskampf einer vom Leben gebeutelten suchtkranken Seele nur allerwärmstens empfehlen !
War diese Rezension für Sie hilfreich?
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
absolut authentisch 4. Dezember 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Vor gut zehn Jahren hat Roddy Doyle Paula Spencer bereits einen Roman gewidmet: Die Frauen, die gegen Türen rannte". Ihr Körper war übersät mit blauen Flecken, die sie sich von den regelmäßigen Prügeln ihres sadistischen Mannes Charlo zuzog. Durch die ständigen Erniedrigungen und der stets drohenden Armutsverwahrlosung wurde sie alkoholabhängig. Nun ist Charlo als flüchtiger Mörder erschossen worden und Paula seit mehr als vier Monaten trocken". Die vom Schicksal gebeutelte Frau erzählt erneut von ihrem Kampf, das Leben aus der Unterschicht zu bewältigen. Sie jobbt als Putzfrau und versucht mit ihren vier Kindern ins Reine zu kommen. Hier werden die ersten bedeutsamen Schritte einer 48jährigen Frau geschildert, die anfängt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und dabei Stück für Stück erstmals die Kontrolle über ihr Leben entwickelt. Es sind die kleinen Siege im täglichen Alltagskampf, die Paula neues Selbstvertrauen geben:
Sie könnte aufstehen und zur der Stelle gehen, wo sie lag, wenn Charlo sie zusammengeschlagen hatte. Sie könnte sich hinlegen und Arme und Beine in die Stellung von damals bringen, als hätte jemand ihren Umriss mit Kreide auf den Teppich gemalt, und würde nichts dabei empfinden. Doch, es liegt bestimmt am Leben ohne Alkohol. Es ist eine andere Welt. Dass sie ihr besonders gut gefällt, könnte Paula nicht behaupten. Aber mit dieser neuen Frau, die allmählich leben lernt - mit der lässt es sich aushalten."

Durch diese inneren Monologe erfährt der Leser viel über die traurige Vergangenheit der tapferen Frau, aber auch über ihre Hoffnungen und Träume.
Hier werden schonungslos und offen die Anstrengungen des mühsamen Weiterlebens eingefangen, denn der drohende Rückfall in die verheerende Sucht ist allgegenwärtig, dem Paula aber mit aller Kraft widersteht. So erarbeitet sie sich und ihren Kindern einen bescheidenen Wohlstand, führt erste zaghafte Familiengespräche über die verlorenen Jahre und kommt dabei ihren Kindern immer etwas näher.

Roddy Doyles Roman Paula Spencer" besticht durch glaubwürdige Beschreibungen, die nie kitschig, rührselig oder gefühlsduselig sind. Seine Schilderungen wirken absolut echt, sein Anliegen ist zutiefst menschlich und seine Sprache schnörkellos und direkt. Es ist meisterlich, wie er durch Dialoge Charakterisierungen vornimmt, Stimmungen erfasst und innere Zustände sichtbar werden lässt. Er bewertet nicht, er beschreibt nur; fast emotionslos aber gelegentlich auch humorvoll. Gerade durch diese Reduziertheit wird der Roman so ergreifend und auf eine stille Weise berührend.

Roddy Doyle ist und bleibt das Sprachrohr der Unterdrückten und Betrogenen, der Gedemütigten und Ungetrösteten. Ein wahrer Chronist der Unterschicht, dem mit Paula Spencer ein überzeugendes Buch aus der Sicht einer gedemütigten Frau gelang, die sich ihre Würde zurück erkämpft. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir eine Romanfigur jemals so nahe stand, mich so beschäftigte wie Paula Spencer.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dies ist die bewegende, erschütternde , aber auch mutmachende Geschichte von Paula Spencer. Als der Roman beginnt, ist Paula 48 Jahre alt und blickt auf eine erstaunliche Alkoholikerkarriere zurück. Roddy Doyle erzählt die Geschichte einer Frau aus der Unterschicht des modernen Irland, die Geschichte einer Selbstheilung, eines Erwachsens aus der Dunkelheit der Sucht mit all ihren Folgen für die Mitmenschen in Familien und Bekanntenkreis hin zu neuer Bewusstheit von Leben und Gefühlen.

Paula Spencer ist seit Jahre Witwe, nachdem ihr Mann bei einem Raubüberfall von der Polizei erschossen wurde. Das hat sie allerdings damals nicht nur wegen ihrer Trinksucht recht wenig berührt, denn lange vorher schon hatte sie ihn rausgeworfen und damit als ersten Akt ihrer Selbstbefreiung einen Schlussstrich gezogen unter eine ihr ewig vorkommende Zeit von Prügel und ehelicher Gewalt.

Paula Spencer hat drei Kinder groß gezogen, trotz allem hat sie immer ihr Bestes versucht, mit unterschiedlichem Erfolg. John Paul ist früh als Jugendlicher in eine Junkie-Karriere gerutscht, hat sich aber davon befreit und lebt jetzt mit seinen Kindern als Familienvater. Ihre Tochter Nicola hat offenbar die für die Entwicklung von Kindern ungünstige Familiensituation am besten überlebt. Sie zeigt keinerlei Anzeichen von Sucht, hat die Schule gut abgeschlossen und ist in ihrem Beruf und Leben erfolgreich. Doch ihrer Mutter und dem Rest der Familie gegenüber verhält sie sich distanziert und selbstgerecht, was insbesondere Paula schwer zu schaffen macht, ist sie doch so stolz auf ihre Prachttochter.
Jack, der jüngste Sohn ist das, was man als co-abhängig bezeichnet. Selbst vollkommen abstinent, wacht er fast täglich darüber, dass die Mutter , die er auf seine Art liebt, nicht wieder zur Flasche greift und gibt zeitweise den controlletti.

Denn als Roddy Doyle mit Paulas Geschichte beginnt, ist sie gerade seit vier Monaten und fünf Tagen trocken, solange, wie sie es noch nie zuvor geschafft hat. Sie hat Arbeit, mit der sie ihren kargen Lebensunterhalt bestreiten kann. Sie ist Leiterin einer Putzkolonne, in der sie neben Frauen aus Schwarzafrika und Osteuropa die einzige Irin ist.

Sie ist stolz auf ihre Abstinenz und sie kämpft. Sie kämpft mit der beißenden Sucht, die immer wieder, besonders aber in schwierigen Situationen, sie fast wieder zur Flasche greifen lässt. Sie kämpft mit ihrer Vergangenheit, die ihr, je wacher und bewusster sie ohne Alkohol wird, täglich mehr vor Augen steht. Ein erbärmliches Leben, auf das sie dennoch immer wieder mit Stolz zurückblickt, denn nicht alles war schlecht.
Paddy Doyle lässt sie immer wieder zurückblicken, während ihres Kampfes um ein neues Leben mit Zukunft und fügt mit diesem Buch einen weiteren Teil seiner schon mit anderen Romanen begonnenen Chronik des alten und des neuen Irland hinzu.
Und Paula kämpft um ihre Kinder und um eine Form von Beziehung zu ihnen, die sie nun neu begründen muss. Denn als Folge der Sucht, können sie an nichts anknüpfen. So kämpft sie sich jeden Tag neu tapfer durch ihr Leben. Sie macht immer neue Schritte in ihre Selbstständigkeit und Sicherheit, Zustände und Gefühle, die vollkommen neu für sie sind. Und so wird die ehedem misshandelte Frau, sie sich im Alkohol aufgab, zur Anwältin ihre eigenen Lebens.

Wie Roddy Doyle, ohne Pathos und doch sehr sensibel für Töne und Zwischentöne, diesen Befreiungsprozess einer irischen Frau schildert, ist hervorragende Literatur. Er erzählt eine alltägliche Geschichte, die aber leider nie sonst erzählt wird, sondern von den Individuen unspektakulär erlitten wird. Er hebt eine Frau ans literarische Licht, die unsichtbar war und lässt den betroffenen Leser teilhaben an einem Schicksal, das selten in Romanen so beschrieben wurde.

Ein Roman, der erzählt von der zerstörerischen Wirkung von Alkohol und ehelicher und häuslicher Gewalt und von der Befreiung daraus. Ein Roman, der das tut ohne anzuklagen oder selbstgerecht zu werden.
Ein gelungener Versuch, in die Lebenswelt von Menschen einzutauchen, die sonst in Büchern nicht vorkommen.
Ein Roman von tiefer, von großer Menschlichkeit.
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