Paul ist vier Jahre, als er einen kleinen Bruder erhält. Doch Jacob ist ein besonderes Kind. Er hat das Down-Syndrom. Sein Opa erzählt Paul davon. Bald merkt Paul, dass Jacob anders ist. Er kann nicht normal mit ihm spielen. Oft verhält sich Jacob laut und unkontrolliert. Und Paul spürt zunehmend, dass die Eltern mehr Zeit für Jacob haben und über manches in seinem Verhalten wegsehen. Paul tut so, als gäbe es Jacob nicht.
Im Mittelpunkt des Buches steht Paul. Die Autorin beschreibt sein Verhalten, seine Gedanken und Gefühle. Besonders gefallen hat mir, dass sie sich dabei jeglicher Wertung enthält.
Der Roman ist sehr feinfühlig geschrieben. Es wird aufgezeigt, wie die Eltern durch kleine Gesten und Aufgaben versuchen, Paul und Jacob zusammen zu bringen. Wenn nötig, wird auch ein ernstes Wort gesprochen und von Paul ein bestimmtes Verhalten verlangt.
Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen. Jetzt ist Jacob in einem Alter, wo er trotz seiner Behinderung fühlt, dass Paul ihn nicht mag. Sehr vorsichtig und emotional stimmig wird in kurzen Momenten gezeigt, dass Jacob um die Liebe seines Bruders kämpft. Er kann es ihm nicht sagen, doch seine Tränen auf dem Weg zum Arzt sagen alles. Auf diesem Weg erfährt Paul auch, wie viele Leute Jacob kennen und ihn ganz normal behandeln. Doch er glaubt, es sei Mitleid.
Ein besonderes Verhältnis hat Paul zu seinem Großvater. Er nimmt sich Zeit für ihn und versucht ihm zu vermitteln, was die Liebe vermag.
Nur wenige Zeilen sind es, die beschreiben, wie sich Pauls Verhalten zu seinem Bruder ändert. Mit ganz zarten Worten wird die Situation skizziert. Sie hinterließ bei mir einen unauslöschlichen Eindruck. Es bedurfte keiner Befehle und keines Zwanges ' nur ein Blick voller Sehnsucht öffnete Pauls Herz.
Selten habe ich ein Kinderbuch gelesen, was mich so beeindruckt hat. Ich kann es nur weiter empfehlen. Auch als Erwachsener kann man daraus manches lernen.
Hie schreibt nicht ein Erwachsener, wie Kinder zu denken haben. Die Autorin hat sich ganz tief in die Gedankenwelt des Kindes hineinversetzt. Wortwahl, Gedanken und Gefühle von Paul sind jeder Zeit stimmig und entsprechen seinem Alter.