...auch wenn der Begriff wahrscheinlich etwas sehr beansprucht ist.
Wir haben einen Helden, eigentlich ein erfolgreicher britischer Schriftsteller, mit Wohnung in London, der so zum Zeitvertreib Kriminalfälle löst. Außerdem ist da noch seine Frau, die nicht dumm ab und an „Einfälle" bzw. „Gefühle" hat und so ihrem Mann weiterhelfen kann, wenn der mal nicht weiterweiß. Da gibt es Charlie, der Diener der Temples, meines Erachtens nicht gerade eine Leuchte, der seinem Herrn und Meister mit seinem „Okay" immer wieder auf die Nerven geht. Weiterhin ist da noch Sir Graham, der Chef von Scotland Yard, der immer wieder um die Hilfe von Paul Temple bittet, aber im Großen und Ganzen nicht so schlecht wegkommt.
Damit haben wir die immer wiederkehrenden Hauptpersonen eines jeden Hörbuches abgehandelt. Daneben haben wir immer wieder die üblichen erzbösen Verbrecher, die doch immer wieder auf der Strecke bleiben. Auch gibt es gute Verbrecher, die entweder im Laufe der Handlung auf den Pfad der Tugend zurückkehren oder direkt für Paul Temple den einen oder den anderen kleinen Dienst (kleiner Einbruch, kleine Erpressung oder etwas ähnliches kleines) übernehmen.
Meist geht es in den Büchern, um Rauschgift. Hier geht's um den Schmuggel von Edelsteinen. Auch gibt es in jedem Fall einen wichtigen Zeugen, der mit Gas vergiftet wird, zusammengeschlagen, erschossen oder angefahren wird, von den Temples rechtzeitig gefunden wird, eventuell noch etwas unzusammenhängendes stöhnen kann und dann doch im Krankenhaus stirbt.
Nun zur Umsetzung:
Technisch entspricht das Ganze wohl dem damaligen Stand der Zeit und ist auch heute noch durchaus hörenswert.
Die Akteure sind, subjektiv beobachtet, mit Freude dabei und vor allem absolute Profis. Auch die Geräusche - Telephonhörer werden auf eine G a b e l gelegt, in der Abflughalle hört man das tiefe ‚Brummen' von Propellerflugzeugen - sind von Könnern gemacht. Was mir noch aufgefallen ist, besonders bei den älteren Hörspielen, ist die schon lustige Übersetzung aus dem Englischen. Paul Temple ist waschechter Brite, benutzt jedoch eindeutig deutsche Redewendungen. Auch bei der Aussprache sind eine Defizite, für die jeder Sprachschüler zumindest einen tadelnden Blick seiner Lehrerin ernten würde. Die Frau des Titelhelden wird oft von ihr „Poohl" gerufen, oder zur Begrüßung wird ein breites „Hähllo" hervorgebracht.
Fazit: auch wenn es heute bessere Krimis gibt, die Paul-Temple-Hörspiele verdienen ihren Namen nicht. Es sind viel mehr H ö r f i l m e, die Handlung findet unvermeidlich im eigenen Kopf statt. Egal welcher Fall - es lohnt sich!