DER FALL ALEX ist das letzte Paul Temple-Abenteuer der WDR-Francis-Durbridge-Reihe und in vielerlei Hinsicht irgendwie anders als die 11 vorrausgegangenen Stücke.
Auch dieses Hörspiel ist ein britischer Krimi alter Schule; geeignet für Freunde von Agatha Christie- oder Edgar Wallace-Geschichten, doch von denen gibt es im Vergleich zu Durbridge nur sehr wenige gelungene Radiofassungen. Was natürlich daran liegt, daß Francis Durbridge fürs Radio geschrieben hat, und nicht Romane umständlich für den Funk adaptiert werden mussten.
Für Neueinsteiger ist diese 3-CD-Edition ein so guter Erstkontakt mit dem Londoner Meisterdetektiv Paul Temple wie jede andere auch, aber die Fans müssen sich umgewöhnen: Paul Temple wird in diesem Hörspiel von 1967 erstmals von Paul Klinger gegeben, und auch Steve Temple übernimmt hier eine neue Sprecherin, nämlich Margot Leonhard, (die Spielfilmfans auch als Stimme von Doris Day oder Marilyn Monroe kennen).
Auch taucht bis auf P.W. Jacob und Manfred Heidmann kein Schauspieler aus dem sonstigen "Temple-Stammpersonal" auf. Nur gut, daß wenigstens der vertraute Kurt Lieck als Sir Graham Forbes die Erinnerung an die Frühzeit wachhält.
Darüberhinaus aber ist der FALL ALEX schlichtweg sehr sehr spannend, toll gesprochen und von Otto Düben erstklassig gemacht, was man nicht erwartet hätte nach dem unbefriedigenden FALL GENF, den er ein Jahr vorher inszeniert hat.
Nun ist die Person ALEX wie so oft in den Durbridge-Schockern eine rätselhafte Schattenfigur, die Hobby-Ermittler Paul Temple entlarven muß, bevor weitere Erpressungen und auch grauenhafte Morde passieren. Wird es ihm gelingen?
Mit 210 Minuten ist der Fall der zweitkürzeste der Gesamtserie; aber jede Minute lohnt sich: Mit der vertrauten Musik von Hans Jönsson (hier noch mehr 60er-Swing als im FALL GENF) und den Stimmen von Herbert Stass, Ernst H. Hilbich, Peter Mosbacher, Marianne Kehlau; Gerd Baltus, Alwin M. Rueffer, Josef Meinertzhagen, Edwin Dorner, Werner Rundshagen und einem rätselhaften "Mädchen in Braun" gelingt ein Hörspielthriller, der die TEMPLE-Reihe nicht besser hätte beenden können.
Viel Vergnügen!