Wer Politikwissenschaft studiert, wird irgendwann automatisch auch "dem Patzelt" über den Weg laufen - angeblich *das* Standardwerk in unserem Fachbereich.
Kurz vor meinem Examen habe ich das Buch dann doch mal gekauft, in der Annahme, dass es mir noch einmal einen guten Überblick über das Fach geben würde. Das war ein Fehler. Mir ist unverständlich, wie das Buch zu seinem Ruf gekommen ist.
Zuerst einmal reißt Patzelt alle Themen einmal an, schafft es aber nicht, mehr als Verwirrung zu stiften. Er schweift ab, ergeht sich seitenweise in eher nebensächlichen Erörterungen und ist vom Sprachstil her nur schwer verständlich. Jeder Erstsemester, der das Buch in die Hand nimmt, wird erst einmal Angst bekommen.
Angst bekommt man als Examenskandidat übrigens auch, wenn man sich den Fragenkatalog am Ende des Buches anschaut - was Patzelt als "Mindestwissen" bei der Zwischenprüfung auch für Nebenfächler ansetzt, ist vermutlich frühestens nach der eigenen Habilitation zu erreichen. Nach der Umstellung auf das Bachelor-System bleibt dem durchschnittlichen Studenten wahrscheinlich nicht mal genügend Zeit, den Fragenkatalog überhaupt zu lesen...
Überhaupt ist das Buch eine einzige Bleiwüste. Einbindung didaktischer Erkenntnisse zur Informationsvermittlung? Fehlanzeige.
Wenn er dann die einzelnen Teilbereiche der Politikwissenschaft angeht, bleiben zwei von drei Bereichen größtenteils unbearbeitet. Die Vergleichende Regierungslehre, Patzelts eigenes Forschungsgebiet, ist der einzige, für den eine adäquate Einführung geboten wird. Aber auch hier gilt, dass Patzelt lieber seine eigenen theoretischen Gedanken ausbreitet, als auf die Werke und Erkenntnisse wichtiger anderer Politikwissenschaft (das Fehlen von Lijphart und Steffani zum Beispiel ist schlicht unverzeihlich).
Was weiterhin fehlt: ein kommentiertes Literaturverzeichnis nach jedem einzelnen Kapitel, ein Stichwortindex und ein Antwortschlüssel zur Selbstkontrolle für den Fragenkatalog.
Alles in allem: kein Standardwerk. Sollte man höchstens ergänzend zu anderen - tatsächlichen! - Standardwerken lesen. Der Mols/Lauth aus der roten UTB-Reihe ist in dem Fall sicher die bessere Wahl!