Sebring hat Patti Smith jahrelang mit der Schmalfilmkamera begleitet. Dabei ist eine Lebens- und Schaffensgeschichte herausgekommen, die im Alter von ein paarundzwanzig einsetzt und mit dem Protest gegen das Bushregime endet. Also vom CBGBs bis Bagdad oder wie Patti zu der Smith wurde. Patti mit ihren Eltern, ihrem Bruder, aus ihrer frühen Kindheit zeigt sie verträumt ihr Lieblingsmädchenkleid, zeigt das Mappelthorpe-Tambourin vom Twelve-Cover.
Wir sehen Patti im Schlafzimmer beim Gitarreüben, sie imitiert ihr Spiel, als sie noch Anfängerin war, sucht Akkorde auf dem Griffbrett. Beruhigend und anrührend menschlich ist dabei, daß auch eine Musikerin vom Format der Smith auch einmal ganz schön danebenhauen kann, daß wir es mit dem Genie im eigentlichen Sinne, aber auch mit dem denkbar unprätentiösesten, warmherzigsten Menschen zu tun haben, eine Tendenz, die in all ihren Arbeiten, seien sie noch so aggressiv angelegt, spürbar bleibt. Dies alles würzt sie mit Selbstironie, zeigt schüchtern den Behälter mit Aschepartikeln ihres früh verstorbenen Bruders, ein großes Kind, ein alt gewordenes, reizendes, streitbares, langhaariges Mädchen, beängstigend smart, Vers um Vers zitierend, sie rezitiert die amerikanische Verfassung, so vehement, daß ihr revolutionärer Charakter wieder sichtbar wird, legt all das frei, was Bush und seine Schergen verschüttet haben, in einer sauber artikulierten, wunderbaren amerikanischen Sprache, texas- und revolverfrei. Nicht zu vergessen: schließlich half doch Jefferson den Franzosen bei der Formulierung iher liberté, egalité, fraternité. Patti malt Bilder, rezitiert, spielt, fotografiert, nicht eine rastlose Minute, sie spüht vor Schaffenskraft, erschütternd intensiv sind die Momente der aggressiven Eindringlichkeit beim Livevortrag von Rock'n'Roll Nigger, eine Politpredigerin, die sich nicht vom Zeitgeist hat korrumpieren lassen, eine trashresistente Ikone, eine der ganz großen amerikanischen Künstlerinnen, eine Traumfrau. Wer schon immer einmal davon geträumt hat, mit ihr zu sprechen, ihr nahe zu sein, wird mit diesem Film belohnt.