Das Buch ist typisch, fast klassisch für William Gibson. In der Tat beschreibt der Titel genau seinen Schreibstil: Mustererkennung. Man muß William Gibson mögen bzw. diesen Stil nachvollziehen können, um das Buch zu genießen. Der Umkehrschluß aber gilt auch: Wer Gibson bisher mochte, dem wird auch dieses Buch gefallen.
William Gibson erzählt nicht im eigentlichen Sinne, er erfindet nicht und schreibt an erster Stelle keine Fiktion. Gibson ist stiller Zuhörer und Zuschauer der Geschehnisse in dieser Welt. Er hat ein untrügliches Gespür für Muster, kleine Geschichten und Geschehnisse, die auf einmal in das Licht einer größeren Öffentlichkeit gerückt werden (können). Ob er diese in die Zukunft projiziert wie noch bei Neuromancer, oder sie jetzt in der Gegenwart beläßt, macht nicht wirklich einen Unterschied. „I google you, I get?" - Das ist bei Gibson nicht hip, sondern eine Momentaufnahme unserer Kultur. Wenn wir irgend etwas wissen wollen, tippen wir das Gesuchte einfach mal in Google ein. Es mag nicht immer sinnvolle Resultate ergeben, aber es ist unser Weg primärerer Informationsbeschaffung. Gibson greift das kommentarlos auf und stellt es unbewertet einfach dar. Es sollte mich nicht wundern, wenn es bei ebay nun einen Markt für Curta Calculators gibt...
Man muß auch bedenken, daß Gibson das Buch im Jahr 2002 geschrieben hat: Dementsprechend sind seine Muster: ibook, Cellphones, Internetkultur, 9/11 - besonders das. Man kann dieses Ereignis auf so vielfältige Weise wahrnehmen (Trauer, Wut, Unverständnis), aber so passiv, wie Gibson es beschreibt, war mir neu. Es erinnert fast an Hemingways Kriegsberichte.
Um diese Muster herum webt Gibson eine Geschichte, die wohl auch in sich nur ein Muster ist, irgendwo aufgeschnappt. Daher wirkt der Roman auch bruchstückhaft, es fehlt ein wirklicher roter Faden oder aber er erscheint als zu abstrus. Cayce selbst bleibt daher ebenfalls farblos, Gibson wird nicht richtig warm mit ihr: selbiges gilt aber auch für Case aus Neuromancer (einzig Molly scheint eine Ausnahme, vor allem in den nachfolgenden Büchern).
Dies als Hintergrund zum Buch. Wer sich darauf einlassen kann, wird gefallen an Pattern Recognition finden. Das Buch ist aber nicht für nebenbei, man muß sich schon sehr darauf einlassen.
PS: Für alle „Feinde" der Markenkultur, ein Besuch bei Muji in London (Oxford Street) lohnt sich: Es gibt dort sehr schöne Accessoires, gar nicht teuer und: Nichts hat ein Label!