Man braucht ungefähr doppelt so lange, um sich von dem Inhalt des Buches zu lösen, als man braucht, um es zu lesen.
Ein schmales und schmerzhaftes Buch. Diesmal aber nicht wegen dem Ausmaß an beschriebener Gewalt sondern weil die ganze Handlung erbarmungslos auf ein Ende zusteuert, wie man es einfach nicht lesen will. Und doch muss.
In diesem Buch gibt es kein Happy End, keine Versöhnung, keine versöhnliche Geste; nein, es gibt einen ganzen leisen Hauch von Licht am Ende. Und gerade dieser Lichtstreifen schmerzt zutiefst. Im Grunde genommen geht es um einen Jungen, der seinen Tod geradezu herbeisehnt, und um einen alten Schriftsteller, der hin- und hergerissen zwischen der Verpflichtung zu helfen und seinem Unvermögen, das auch wirklich zu tun, aufgerieben wird.
Die Geschichte erzählt auch bedrückend plastisch, wie aus der Sorge von Eltern um ihr Kind langsam Panik wird und zum Schluss pures Grauen.
Peter Nathschlägers sogartig-leise Huldigung an den 1998 ermordeten Matthew Sheppard streift nur am Rande das Verbrechen selbst, dem Patrick zum Opfer fällt, sondern befasst sich in erster Linie mit der Aufarbeitung eines jungen Lebens. Zuerst die Angst, nie wieder gesund zu werden, dass sich elterliche Liebe nur noch durch Besorgnis zeigt; und zum Schluss die Gewissheit, sterben zu müssen mit der allumfassenden Angst, "dass der Himmel mich nicht mag". Der alte Schriftsteller als Katalysator ist mit großer, aber nicht perfekter Menschlichkeit gezeichnet, was die Figur umso glaubwürdiger erscheinen lässt.
Und der letzte Satz des Buches treibt dem hartgesottensten Leser die Tränen in die Augen. Aber nur, wenn man das ganze Buch gelesen hat.
Aufrichtiger, schmerzhafter und suggestiver kann ein Abschied kaum erzählt werden