Der in den Medien im Bereich der Auseinandersetzung um die 'Sterbehilfe' bekannte Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Putz und seine Kanzleikollegin Beate Steldinger legen mit diesem, bereits in 3. aktualisierter Fassung erschienenen Taschenbuch ein engagiertes Plädoyer um eine Liberalisierung der Rechtspraxis bei der Durchsetzung des tatsächlichen bzw. mutmaßlichen Willens von Patienten am Ende des Lebens vor. Die Autoren machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube; viele Ärzte, Heimleiter und Berufsbetreuer kommen in den vielen äußerst plastischen Beispielen nicht gut weg. Letztere stammen größtenteils aus in ihrer Anwaltspraxis behandelten menschlichen Schicksalen, die Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen waren. Hier verstehen es die Autoren, die oft aus den Fachzeitschriften bekannten Gerichtsentscheidungen mit einem Gesicht zu versehen, mit echten Menschen und ihren oftmals unrührigen Schicksalen.
In dem Buch werden noch einmal in übersichtlicher Form zahlreiche Details rund um die aktuelle Sterbehilfediskussion dargestellt: die historische Entwicklung, die Auswirkungen der Einführung der PEG-Sonde, die medizinischen Grundlagen, insbes. zu apallischem Syndrom, Koma und Wachkoma sowie den Formen der Sterbehilfe. Ausführlich die Strategien zur Durchsetzung des Sterbewunsches durch Bevollmächtigte und Betreuer; Vorgehensweisen bei Verweigerungshaltungen von Ärzten und Heimpersonal. Gesetzestexte, einschlägige Rechtsprechung im Wortlaut und Dokumente der Bundesärztekammer sowie Textvorschläge für möglichst verbindliche Patientenverfügungen runden die Darstellung ab.
Fazit: auch wenn man die stringente Auffassung der Autoren zur Verbindlichkeit nicht oder nur teilweise teilt: das vorliegende Buch ist ein Muss in der Diskussion um die Sterbehilfe und gehört auf den Schreibtisch jedes mit dieser Frage beruflich befassten Lesers, sei es ein Vormundschafts- oder Strafrichter, ein Betreuer, ein Arzt oder ein Pflegeheimleiter.