Ich habe das Buch gekauft, weil ich auf der Suche nach einem guten Zombieroman war. Um einen solchen handelt es sich bei "Patient Null" nur bedingt. In erster Linie ist es ein klassischer Action- und Agententhriller. Und zwar kein besonders herausragender. Es handelt sich um das genreübliche 08/15-Einerlei: Die Hauptfigur ist ein schicksalsgebeutelter, testosteronstrotzender, obercooler Macker, natürlich sowohl superschlau, als auch ein lautlos tötendes Kampfschwein - das klischeeüberladene Abziehbild einer Identifikationsfigur für pubertierende Jungs. Er wird von der Wahnsinns-Supergeheim-US-Behörde angeheuert, ist sofort deren bester Mann, formt in 2 Stunden ein Elite-Team aus ein paar Kampfeunuchen, meuchelt alle Bösewichte, durchschaut die böse Verschwörung und erobert nebenbei das Herz der Protagonistin. Der Chef der Behörde ist ein geheimnisvoller Anzugträger, die Fieslinge kommen aus der islamistisch-terroristischen Ecke.
Die Geschichte versucht mit altbekannten Mitteln und durchschaubar falschen Fährten ein paar "überraschende" Wendungen zu konstruieren (einschließlich der abgedroschenen Wer-ist-der-Maulwurf?-Frage, inklusive des zu Unrecht Verdächtigten, der dann zum Märtyrer werden darf) **Gähn** Alles schon tausendmal gesehen und gelesen. Wirklich nicht sehr originell und obendrein mit zahlreichen logischen Fragwürdigkeiten.
Insgesamt Thriller-Massenware, die nach dem Lehrbuch mit den üblichen Versatzstücken heruntergeschrieben wurde, und sich nur durch die Zombiethematik etwas abhebt: Die (sehr stereotypen) Antagonisten attackieren die USA hier mit einem Virus, der Menschen zu brutalen, kannibalischen Bestien mutieren lässt. Nach dem eigentlichen "Patienten Null", also dem ersten Infizierten braucht der Roman allerdings reichlich lange, um dann tatsächlich einige Zombie-Action zu bieten. Offenbar hat nicht nur die Hauptfigur Joe Ledger immer einen coolen Spruch auf den Lippen (im Klartext: ein nervtötender Klugscheißer), sondern auch der Autor kommt gerne mal ausschweifend daher. Ein bisschen weniger medizinische, soziologische und psychologische Schwafelei hätte dem Roman gut getan.
Trotz all dieser Kritik hat mich das Buch insgesamt recht gut bei der Stange gehalten. Das war letztlich der Zombiethematik zu verdanken. In der zweiten Hälfte des Wälzers gibt es ganz ordentliche Untoten-Action, die einigermaßen zu überzeugen weiß. Daher rettet sich der Roman gerade so auf 3 Sterne.
Wirklich ärgerlich ist allerdings die völlig schlampige Übersetzung. Ein ordentliches Lektorat hätte der deutschen Romanversion ausgesprochen gut getan!