Anders als beim humboldt Verlag zu erwarten, handelt es sich hier nicht um einen Ratgeber, sondern eher um eine gesundheitspolitische Kampfschrift. Die langjährige Medizinjournalistin Gaby Guzek, verantwortliche Redakteurin der Wartezimmerzeitschrift durchblick gesundheit", stellt das bundesdeutsche Gesundheitssystem an den Pranger und sieht als Opfer eines in ihren Augen absurden Systems im Wesentlichen zwei Gruppen: die Kassen-Patienten und die Kassenärzte.
Wem es wie mir, Kassenpatient, auf die Nerven geht, einerseits jeden Monat erhebliche Summen vom Gehalt für die Krankenversicherung abgezogen zu bekommen und andererseits bei allen mögichen Arztbesuchen dennoch ständig dazuzahlen oder komplett allein bezahlen muss, der findet in Gaby Guzeks Buch eine Menge Antworten, wo die monatlichen Zwangsabgaben versickern. Hierzu ein Zitat aus dem Buch:
Die Krankenkassenbeiträge steigen weiter. Zahlte ein gesetzlich Krankenversicherter im Jahre 1980 noch rund 11 Prozent vom monatlichen Salär, langen die Krankenkassen heute schon mit bis zu 14 Prozent zu. Der Arbeitgeber muss noch einmal fast den gleichen Betrag an die Kassen überweisen. Schwindelerregende 150 Milliarden Euro nehmen sie so jährlich ein. Trotzdem fehlt es an allen Ecken und Enden, gesetzlich Versicherte bekommen nur noch Sparmedizin, das Geld kommt nicht da an, wo es hin soll. Stellt sich die Frage: Wo versickert eigentlich das Geld der Krankenkassen?"
Und die Antwort:
Die Kassen gönnen sich selbst einen kräftigen Schluck aus der Pulle: Mehr als 140 000 Mitarbeiter beschäftigen sie hierzulande zusammen, davon stehen allein 60 000 bei der AOK auf der Lohnliste, die Betriebskrankenkassen kommen immerhin mit nur" 20 000 aus. Zum Vergleich: Um die tägliche Behandlung von Kranken kümmern sich gerade mal 94 000 Arztpraxen.
Rund acht Milliarden Euro Verwaltungskosten verschlingt der Kassenmoloch jährlich. Das ist mehr, als AOK, Barmer und Co. insgesamt für die zahnärztliche Behandlung ihrer Versicherten ausgeben. Wer im Ernstfall aber eine halbwegs lächelfreundliche Krone will, muss einen ordentlichen Batzen aus eigener Tasche obendrauf legen. Überhaupt heißt es für den Patienten immer häufiger, noch mal das Portemonnaie zu öffnen: Praxisgebühr, Zuzahlungen zu Medikamenten oder Krankengymnastik kosten so manchen Euro extra. Damit schultern die Deutschen jährlich noch mal rund 5,3 Milliarden Euro zusätzlich für ihre Gesundheitsversorgung. Die Kassen hingegen schöpfen ungeniert aus dem Vollen: Ihre Verwaltungsausgaben sind in den letzten zehn Jahren um rund 23 Prozent gestiegen. Bei den Kosten für die Behandlung ihrer Versicherten in deutschen Arztpraxen waren die Kassen nicht so spendabel: Die Ausgaben für die ärztliche Behandlung sanken sogar um rund 0,6 Prozent, bezogen auf die Gesamtausgaben der Kassen."
Und das ist nur ein Aspekt, den Gaby Guzek aufs Korn nimmt. Auch wenn man ihrer Polemik teilweise nicht folgen mag, zum Nachdenken regen ihre gut recherchierten Enthüllungen" allemal an.
Wer möchte, hier noch ein paar Zitate, die den Charakter des Buches widerspiegeln:
Mit lauter Arztschelte ist Gesundheitsministerin Ulla Schmidt schnell bei der Hand: Ein Skandal sei es, dass hierzulande Privatpatienten besser behandelt würden als Versicherte von AOK, Barmer und Co. Sie muss es ja wissen: Ist sie doch selbst privat versichert, hat das Fernsehmagazin Kontraste" herausgefunden.
Wasser predigen, Wein trinken: Wenn Politiker wieder einmal darüber nachgrübeln, welche Leistungen für gesetzlich Versicherte sie noch auf die Streichlisten setzen könnten, sind die meisten von ihnen von den eigenen Entscheidungen gar nicht betroffen: Sie sind privat versichert. Nicht nur Ulla Schmidt."