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Patentöchter: Im Schatten der RAF - ein Dialog
 
 
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Patentöchter: Im Schatten der RAF - ein Dialog [Gebundene Ausgabe]

Julia Albrecht , Corinna Ponto
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., Auflage (14. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462042777
  • ISBN-13: 978-3462042771
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 40.777 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das macht die besten Bücher aus: Obwohl sie ausgelesen sind, liest man ihre erhellendsten Passagen nochmal und nochmal, weil sie so wahrhaftig und so berührend sind; weil sie das eigene Gedanken- und Gefühlsleben ergänzen und den politischen Blickwinkel erweitern; weil sie das, was viele Menschen umtreibt, so klug analysieren und zuordnen. Es ist erstaunlich, das Julia Albrecht und Corinna Ponto diese universelle Wirkung ausgerechnet mit der Schrift Patentöchter. Im Schatten der RAF- ein Dialog gelungen ist. [...] Möglicherweise ist Patentöchter überhaupt die beste Möglichkeit, sich dem bis heute ungelösten RAF-Komplex aus einer differenzierten Perspektive zu nähern.« - Bayerische Staatszeitung

»Das Projekt der “Patentöchter” ist (deshalb) nicht nur privat, es ist hochpolitisch. Und es zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dem RAF-Terror noch lange nicht abgeschlossen werden kann.« - BR-online

»Es hat drei Jahre gebraucht, diese Buch gemeinsam zu schreiben. Und unerhörten Mut. Aber es ist nicht nur so zerbrechlich wie das sprichwörtliche rohe Ei, sondern auch so nahrhaft – für den weiteren geistigen Stoffwechsel eines noch immer unverdauten Kapitels unserer jüngeren Geschichte.« - Deutschlandradio

»Nach dem Dialog der beiden Patentöchter Julia Albrecht und Corinna Ponto muss die Terrorgeschichte der RAF möglicherweise neu geschrieben werden.« - Die Tagespost

»Was diesen Band zu einem ungewöhnlichen Dokument macht, ist die Tatsache, dass es die Kluft zwischen Angehörigen, die der Opfer- wie der Täterseite zuzurechnen sind, zum Ausgangspunkt einer ebenso spannungsgeladenen wie vielschichtigen Kommunikation macht. Der Leser wird zum Zeugen eines Prozesses, in dem zwei Frauen um die Zurückgewinnung der Sprache ringen. Immer wieder ist es eine Gratwanderung, die sie unternehmen müssen, um nicht selbst in den zwischen ihren Familien klaffenden moralischen Abgrund gerissen zu werden.« - Welt am Sonntag

Kurzbeschreibung

Der Mord an Jürgen Ponto und die Folgen.

Ein bewegendes Buch aus der Sicht von zwei Frauen, deren Familien einst eng miteinander verbunden waren und die durch den Mord an Jürgen Ponto auseinandergerissen worden sind. Die Autorinnen werfen einen neuen Blick auf die - bis heute hauptsächlich von Außenstehenden gedeutete - Geschichte der RAF, die Rolle der Täter und die Wunden, die ihre Taten geschlagen haben. 30. Juli 1977: Jürgen Ponto empfängt Susanne Albrecht, die Tochter seines Jugendfreundes Hans-Christian Albrecht, in seinem Haus in Oberursel. Ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar schießen auf Jürgen Ponto. Corinna, seine Tochter, ist zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt, Julia, Susannes Schwester, dreizehn Jahre. Nach dem Mord war das Band zwischen den Familien durchschnitten. 30 Jahre danach nimmt Julia Albrecht - die Patentochter von Jürgen Ponto - Kontakt auf zu Corinna Ponto - der Patentochter von Hans-Christian Albrecht. Ein Briefwechsel entspinnt sich, eine erste Begegnung findet statt. Im Mittelpunkt ihres Buches stehen die Geschichte der RAF und der Umgang damit, die Fragen nach Schuld und den Hintergründen der Täterschaft, nach den Möglichkeiten von Aufarbeitung und Versöhnung. Und beide Frauen tauschen sich darüber aus, wie man mit den eigenen Kindern über diesen Teil der deutschen Geschichte spricht, der doch auch Teil der Geschichte ihrer Familien ist. - Täter und Opfer der RAF - der erste Dialog von Angehörigen beider Seiten


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Markus
Format:Gebundene Ausgabe
Das Kind, das auf dem Nachhauseweg die Fahndungsplakate mit dem Foto seiner Schwester sieht - jeden Tag. Die Tochter, deren Vater von Terroristen ermordet wird und deren Familie faktisch allein bleibt mit ihrer Trauer. Die heute noch in den Archiven der Stasi-Unterlagenbehörde nach den wahren Zusammenhängen sucht. Die Witwe, die erleben muss, wie Filmemacher entscheiden, wie sich die Tat abspielte, deren Zeugin sie war. Wir haben so vieles über die RAF gelesen, gesehen, gehört. Aber meist entweder aus der Sicht der politisch und soziologisch Interessierten oder aus Sicht der Terror-Voyeuristen. Die Perspektive der Angehörigen ist bislang völlig unterbelichtet gewesen. In diesem Buch ist sie die einzige Perspektive. Nah, nachdenklich und ergreifend. Ein mutiges Buch dieser beiden Patentöchter. Und auch wenn man nicht jede Ansicht teilen mag. Der Wechsel der Perspektive bringt vieles in einem selbst in Bewegung. Ins Nachdenken. Mehr kann ein Buch nicht tun.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Immer noch sind die Geschehnisse um die RAF ( Rote Armee Fraktion), die in den siebziger Jahren unsere Republik aufs Äußerste bewegten, nicht zu verstehen und nur schwer aufzuarbeiten.

1977 ermordete ein RAF Kommando den Bankier Jürgen Ponto.
Susanne Albrecht, Tochter eines engen Freundes der Familie Ponto, hatte sich im Juli 1977 unter Missbrauch des Vertrauensverhältnisses, das zwischen den Familien bestand, Zugang zum Hause Ponto verschafft. Sie brachte bei ihrem Besuch zwei Mittäter herein, von denen einer nach einem missglückten Entführungsversuch Jürgen Ponto erschossen hat.

Jetzt haben zwei Angehörige der in den Mord an Jürgen Ponto verwickelten Familien einen Versuch zur Annäherung gewagt.
Julia Albrecht, die Schwester von Susanne Albrecht, und Corinna Ponto, Tochter des ermordeten Jürgen Ponto, haben dreißig Jahre nach der Tat in einem Dialog die unterschiedlichen Erfahrungen noch einmal lebendig werden lassen. In Briefen, Zeugnissen und bewegenden Erinnerungen schildern sie aus der jeweils eigenen Sicht ihre Wahrnehmung der Tat und der Täter.
Dass die kleine Schwester von Susanne, die zur Tatzeit erst 13 Jahre alt war, unter dem Verlust der Schwester litt und sich lange geschämt hat, wenn sie dem Konterfei ihrer Schwester Susanne an jeder Litfaßsäule begegnete, kann sie glaubhaft schildern. Corinna Ponto, zur Tatzeit schon 20 Jahre alt, berichtet aus ihrer Sicht das Trauma, dem sie vom Tatzeitpunkt an ausgesetzt war. Es geht hier aber nicht nur um den Augenblick der Tat, sondern beide zeichnen ihr Familienleben nach, berichten über Herkunft, Kriegsfolgen und Aufbruchzeiten ihrer Eltern. Die Väter hatten sich im Studium kennen gelernt, wurden erfolgreiche Juristen und lebten ein komfortables Leben nach den Schrecknissen des Krieges, die sie endlich hinter sich lassen konnten.
Nach der Heirat und Geburt der Kinder setzten sie ihre Beziehungen als Familienfreundschaft fort. Das furchtbare Attentat auf Jürgen Ponto wog jedoch so schwer, dass die Familienkontakte in der Folge eingestellt wurden. Julia Albrecht war das Patenkind von Jürgen Ponto, Corinna das von Hans-Christian Albrecht.

Beide Frauen gehen scheu auf einander zu. Es bedeutet jedoch auch Erleichterung, einmal über alles reden zu können. Stummheit, Schmerz und die unfassbare Heimtücke bei der Tat hatten die Familien entfremdet. Mit Schweigen suchte man das Ereignis zu verdrängen. Besonders Julia bedrückte die Unmöglichkeit, zu reden. Der Gram der Eltern lastete schwer auf ihrer Familie, und sie sah sich mit der Tat der Schwester stigmatisiert.

In dem als Dialog bezeichneten Rückblick werden die vorhandenen Zeugnisse, Briefe und Aussagen übergangslos nebeneinander gestellt. Das verdichtet den Bericht zu einem außergewöhnlichen Dokument, in dem die so unterschiedlichen Gefühlslagen der beiden Frauen unabhängig voneinander aufgezeichnet sind. Das Leid der beiden ist tief und schmerzlich. Am Ende bleibt die Einsicht, dass die Dialogpartnerinnen in dem Kummer um den Tod des Vaters und im Bemühen um Verständnis für eine Schwester nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Zu widersprüchlich sind die Gefühlswelten, in denen sich die beiden bewegen.

Ein aufrüttelndes Stück Zeitgeschichte liegt mit diesem Buch vor. Man sollte es lesen!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Dieses Buch handelt von der RAF, aber auch und vor allem von dem Mord an Jürgen Ponto und seinen Folgen für die Familie Ponto und für die befreundete Familie Albrecht, deren mittlere Tochter Susanne den Mördern die Tür öffnete, durch Ausnutzung der Freundschaft beider Familien.
Jürgen Ponto und Hans-Christian Albrecht kannten sich noch aus Studientagen in Hamburg, es wurde Freundschaft, die auch andauerte als beide eine Familie gründeten. Auch als Jürgen Ponto ein Angebot der Dresdner Bank bekam und nach Oberursel (bei Frankfurt am Main) zog, blieb diese Freundschaft bestehen. Jürgen Ponto war der Patenonkel von Albrechts jüngster Tochter Julia und Hans-Christian Albrecht der von Corinna Ponto.
Durch das Attentat von Susanne Albrecht zerbrach die Freundschaft, man konnte nicht mehr miteinander kommunizieren.
Julia Albrecht nahm 30 Jahre später ersten brieflichen Kontakt zu Corinna Ponto auf, sie wollte aufarbeiten. Julia war immer nur die kleine Schwester von Susanne und hat sehr darunter gelitten, sie war ja gerade erst 13 Jahre alt, das es passierte und litt sehr unter der Sprachlosigkeit, die um sie war. Und Corinna litt unter allem was folgte...
Das Buch, als Dialog der beiden, berichtet nicht nur von der Tat als solche, und wie die beiden es jeweils erlebten, sondern auch über die jeweiligen Familiengeschichten, wie die 2 Männer sich kennenlernten und die insgeheimen Schuldzuweisungen. Ergänzt ist das alles mit Briefauszügen von Hans-Christian Albrecht, mit Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen von Susanne Albrechts Prozess in den 90ern und eigenen Ansichten.

Ich, zum Zeitpunkt des Ponto-Mordes 11 Jahre alt und nur wenige Kilometer davon entfernt in meinem Elternhaus, wuchs im Schatten der Taten der RAF auf, kann mich an das Attentat nicht erinnern. Meine Erinnerung setzt erst mit der Entführung von Hans-Martin Schleyer ein und der Mord an Alfred Herrhausen passierte ganz nah bei meinen Eltern. Da weiß ich noch, welche Ängste ich einen Tag danach hatte, da meine Eltern und mein Bruder einen Abend vorher genau diese Straße langgefahren sind, wo der Mord geschah.
Ich fand es sehr interessant, einmal etwas über die Opferseite zu erfahren, denn auch Julia Albrecht war ja ein Opfer. Ihre Schwester zerstörte ja nicht nur das Leben der Familie Ponto sondern auch das ihrer eigenen Familie und die Betrachtung der Tat aus diesem Blickwinkel.

Sehr interessant ist auch die Zeittafel am Ende des Buches.

Ich ziehe meinen Hut vor beiden Frauen, dass sie diesen Schritt gewagt haben. Aber als Fazit bleibt dennoch, dass es wirkliche Annäherung der beiden Famiien nie geben kann, da einfach zu viel unterschiedlicher Schmerz immer noch vorhanden ist und auch immer vorhanden sein wird. Denn wie sollte Frau Ponto ihren Söhnen erklären, dass sie mit der Schwester der an dem Attentat beteiligten "Türöffnerin" befreundet sei, die ihrem Großvater das Leben nahmen....

Und es wird auch klar, dass auch Susanne Albrecht nie Reue über die Tat empfunden hat. Alleine ihre Aussagen im Prozeß sind ein Hohn.

Ein wichtiges Zeitdokument ist es auf jeden Fall und jeder, der mit den Taten der RAF aufgewachsen ist, sollte es lesen.
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