Kurzbeschreibung
Klappentext
In sechs spannend geschriebenen Fallstudien zeigt Reinhard Sieder, wie verschieden der Trennungsprozess verlaufen kann und wie unterschiedlich das Familienleben danach gestaltet wird. Es endet eben nicht mit der Trennung der Eltern, sondern es entstehen neue Familienleben - an zwei Orten und mit unterschiedlichen Familienstrukturen, die die neuen Familien der getrennt lebenden Eltern umfasst. Dies kann einerseits zahlreiche Anregungen und Impulse für die Kinder bieten, andererseits kann es sie überfordern. Speziell die neuen Intimpartner können zu einer Belastung für die Kinder werden. Dennoch lautet die gute Nachricht des Buches: Getrennt lebende Eltern haben es weitgehend selbst in der Hand, ihre neuen Familien zu Orten der Geborgenheit für ihr Kind und sein soziales Lernen zu machen.
Über den Autor
Auszug aus Patchworks - das Familienleben getrennter Eltern und ihrer Kinder. Mit einem Vorwort von Helm Stierlin von Reinhard Sieder. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Dieses Buch richtet sich nicht nur an Psychotherapeuten, Soziologen und Pädagogen. Es dürfte auch viele Menschen interessieren, die selbst von Trennungen betroffen sind. Das sind einmal Eltern, die sich nach der Geburt ihrer Kinder trennen, aber weiter Eltern dieser Kinder bleiben und sich dann oft auf eine neue Elternschaft mit einem neuen Partner einlassen. Zu den Betroffenen zählen auch Erwachsene, die die Trennung ihrer Eltern miterlebt haben. Die Zahl der derart von Trennungen Betroffenen nimmt in westlichen Ländern weiter zu.
Ich kenne kein Buch, das diese Thematik so umfassend und zugleich so differenziert und vorsichtig angeht wie das vorliegende Werk. Es vermittelt, wie sich in der heutigen »Moderne in der Moderne« Vorstellungen, die wir mit Familie und intimer Paarbeziehung verbinden, laufend wandeln. Und es weist überzeugend nach, dass es sich dabei vielfach um Mythen handelt, die sich kulturellen Gegebenheiten und Zwängen verdanken. Dazu gehören etwa Mythen, die die romantische Liebe oder auch die Familie als bereits biologisch angelegte Bastionen von Ordnung und Stabilität verklären. Dazu gehört aber auch der Mythos, dass eine Trennung der Eltern unweigerlich auf Kosten der davon betroffenen Kinder gehe und deshalb wenn irgend möglich eheliche Treue ohne Wenn und Aber geboten sei.
In sechs sehr detaillierten Fallstudien zeigt der Autor, dass die Trennung der Eltern in nicht wenigen Fällen die Entwicklung der Kinder schwer belastet. Aber dem stehen andere Fälle entgegen, in denen Kinder im Verlauf der Trennung und in den Jahren danach Erfahrungen machen können, die ihnen zu mehr zwischenmenschlicher Sensibilität verhelfen und ihrer Entwicklung insgesamt zugute kommen. Das gilt allerdings überwiegend für die Kinder von Eltern mit höherem Bildungsniveau. Der Autor zeigt auch, wie viele Frauen und Männer aus ihrer Trennung neue Erfahrungen gewinnen und neue Kompetenzen entwickeln, von denen letztlich nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Kinder profi tieren .
Dabei hat es der Autor nicht nur verstanden, seine Falldarstellungen und eine erstaunlich umfangreiche Literatur in einer guten Komposition zusammenzuführen. Er lässt die Fallgeschichten streckenweise auch so lebendig werden, dass sie sich fast wie ein Roman lesen. Dabei hinterfragt er doch immer wieder die Methoden und den Erkenntniswert seiner Analysen. Kein Wunder also, dass ich dieses Buch in die Hände vieler Leserinnen und Leser wünsche.