Was die Herren Autoren an Einfühlungsvermögen für die unbeschreibliche Schönheit Patagoniens mit diesem Buch zeigen, beweisen sie leider nicht für ihre Leser - die Menschen also, die sich anstecken lassen von den Landschaftsbeschreibungen und die Touren nachgehen wollen. Für meine zweite Patagonientour sollte dieses Buch als Anregung für mehr und Neues dienen. Das hat es zwar getan - und die Tour im Reserva Cerro Castillo gehörte für mich auch zu meinen schönsten Erlebnissen - allerdings habe ich mich immer wieder gefragt, wieviele verschiedene Personen zur Gehzeitermittlung herangezogen wurden. Als halbwegs erfahrener Trekker mit "meinem" Schritt war ich entweder viel zu langsam oder viel zu schnell im Vergleich mit den Angaben aus dem Buch. Oder haben die Herren vielleicht doch den Paraglider benutzt auf Steilabstiegen durch loses Geröll? Auch bei anderen Touren geben sie seltsame Gehzeiten an, die alles andere als logisch nachvollziehbar sind. Und zu allem Überfluß werden dann auch noch die Leser verführt, den berühmten Cerro Torre zu umrunden. Das ist sicherlich eines der spektakulärsten Erlebnisse in diesem Traumland mit dem unberechenbarsten Wetter - aber für "Otto Normaltrekker"? Sicher, es wird beschrieben, daß diese Tour fast Expeditionscharakter hat, aber welcher Leser (und Patagonien-Neuling) ist sich darüber wirklich im Klaren? An dieser Stelle verstehe ich sowohl die Editoren des Verlages als auch die Herren Autoren nicht, daß hier nicht aus reinen Sicherheitsgründen auf solche Tourenvorschläge verzichtet wird. In jedem Fall sollten die Autoren, bevor die zweite Auflage in die Druckereien geht, die Wege nochmals abgehen, und bei der Angabe der Zeiten berücksichtigen, daß es sich bei Trekkern um Menschen handelt, die selten im Hochgeschwindigkeitsschritt durch Berge und Landschaften rasen, für Mehrtagestouren das eine oder andere kg Gewicht auf dem Rücken tragen und seltener für den Abstieg den Paraglider dabeihaben. Trotzdem - die Bilder sind überwältigend, der Hunger kommt beim Blättern, es sind viele wunderbare Touren abseits der "Trekking-Autobahnen" beschrieben - nur sollte der Leser sich nicht allzusehr auf die Zeiten verlassen. Und in keinem Fall dieses Buch allein zur Tourenvorbereitung heranziehen.