... das habe ich mich vor Lektüre dieser Neuentdeckung gedacht. - Nun bin ich schlauer und zugleich Palinski-, bzw. Emme-süchtig!
"Pastetenlust" ist im wahrsten Sinne des vom Autor gewälten Titels, ein Wiener Krimi-Leckerbissen. Das hat der in Wien lebende Autor, Pierre Emme, sich schlau ausgedacht. Sein Protagonist, Mario Palinski - mehr Krimi-Literatur-Fan und Lebenskünstler als Detektiv - ist genau das, was ich im Heimatslang als "A g'miatlicha Zecka" bezeichnen würde. Zu hochdeutsch: Ein mordssympathischer Kerl; noch dazu mit fein geschultem Sinn für Kriminalistik - und gutes Essen!
Ausgerechnet auf "seiner" Parkbank wird ein Toter gefunden. Also damit hat Mario Palinski am frühen Morgen nicht gerechnet. Seinem guten Freund dem Polizei-Inspektor Wallner steht der "Privatkriminologe" Palinski von Stund an mit Rat und Tat zur Seite. Der Tote stellt als bekannter Schauspieler heraus, der am Abend zuvor sogar in einer Fernsehshow mit dem (Zitat:) "Goldenen Viktor - als bester was auch immer" ausgezeichnet wurde.
Pierre Emme haucht "diesem" Palinski auf unaufdringlich-humorvolle und dennoch selbstkritisch wirkende Art - im Schnelldurchgang - Leben ein; so dass ich ihn sofort ins Herz geschlossen habe. Vor allem gewährt der Autor in "Zwischenkapiteln" den teilweise wirren, authentisch wirkenden, Gedanken von Mario Palinski ihren eigenen Raum; in Form von kursiver Schrift.
Neben dem erwähnten Inspektor (Wallner) spielt noch ein weiterer Freud im Bunde - und mit ihm ein weiterer Fall! - eine wichtige Rolle: Ministerialrat Dr. Michael Schneckenburger - kurz "Miki" genannt. Ein hysterisch-chaotisch bis unsischer-unselbständig nervöser großer "Lackl", bei dem man sich ständig fragt: "Wie kommt SO EINER, zu SO EINEM Job?" - Wie auch immer, "Miki" hat jedenfalls alle Hände voll zu tun, denn in einem Erpressungsfall gegen einen bekannte Ladenkette gab es bereits zwei Tote und die eilig einberufene SOKO "Vergiftetes Müsli" untersteht immerhin dem Bundesinnenministerium. Somit dem Innenminister, Dr. Josef Fuscheè, dessen "rechte Hand" unser lieber "Miki" ist.
Alleine die beamtenösterreichischen Gespräche mitsamt Behördengeltungsdrang und Freunderlwirtschaft zauberten mir beim Lesen mehrmals ein süffisantes Grinsen auf's Gesicht. Sympathisch kritisch - ohne bissig oder bösartig aufdringlich zu wirken.
Was für eine herrlich skurrile Krimi-Posse! Sympathischere Wiener habe ich seit Kottan und seinen planlosen Kollegen nicht mehr kennen gelernt. Mehr davon!!!
PS. "Mehr davon!", gibt's bereits. Aktuell sind fünf "Palinski-Fälle" veröffentlicht. Und ich kenn'se auch schon alle! :-)