Aus Amazon-technischen Gründen erscheint meine Rezension für die 2009 remasterte "Past Masters"-CD auch bei der '88er CD und bei der alten "Past Masters Vol. 1"-CD. Im Zuge der Remasters von 2009 habe ich sie überarbeitet:
Bereits 1978 gab es den Versuch, etliche der nicht auf LP erhältlichen Beatles-Songs auf der englischen "Rarities"-LP zusammenzufassen, die jedoch überwiegend in Mono gehalten war. Bis heute konnte sich die EMI (oder welche Firma nun gerade die Rechte am Beatles-Katalog hält) nicht dazu durchringen, die jeweiligen Single-A- und B-Seiten sowie die EP-Tracks und weitere Raritäten den jeweiligen regulären Beatles-Alben als Bonustracks anzufügen, obwohl da noch reichlich Platz gewesen wäre. Immerhin machte sie aus der Not eine Tugend und brachte alle diese Songs 1988 auf den beiden Einzel-CDs "Past Masters" Vol. 1 und Vol. 2 und 2009 auf einer Doppel-CD heraus. Da die beiden alten Ausgaben längst überholt sind, gehe ich hier lieber auf die Vorzüge der remasterten Doppel-CD ein:
Mark Lewisohns kurze Anmerkungen im "alten" Booklet wichen jetzt einem ausführlichen und sehr kompetenten Begleittext von Kevin Howlett, ergänzt um schöne Fotos.
Bei den Remasters wurden endlich einige Kinderkrankheiten der '88er CDs ausgemerzt: Für die amerikanische "Rarities"-LP hatte man 1980 noch eine knisternde Vinyl-Single der mit Single-Version von Love me do (mit Ringo am Schlagzeug, dafür ohne Tamburin) überspielt; hier hat man erneut eine Mono-Single remastert, sie läuft diesmal eine Idee langsamer, hat mehr Bass und klingt so runder und weicher.
Endlich gibt's hier - und nur hier! - offiziell den originalen Stereo-Mix von From me to you (ohne die Harp im Intro) auf CD, so wie ich ihn auf meinem "Roten Album" als LP kennenlernte. Dasselbe gilt für die B-Seite Thank you Girl (mit Johns Harp-Overdubs am Ende des Songs). Sie erschien zwar bereits 2004 auf "The Beatles' Second Album" in der "Capitol Vol. 1"-Box, dort waren allerdings die Stereokanäle weiter zur Mitte hin gezogen worden.
Sie liebt dich gibt's hier endlich auch in Stereo. Komm gib mir deine Hand zwar auch, aber das erschien ebenfalls schon 2004 auf "Capitol Vol. 1", und dort klingt es besser, so ungern ich es zugebe.
Der Stereomix von She's a Woman klingt nun, dank angemessener Kompression, fetter als bisher. Bei Bad Boy war bei 0'40 auf dem linken Kanal immer ein "Pffft" zu hören gewesen, das jetzt galant digital entfernt wurde.
Von Day Tripper wurden 1965 zwei verschiedene Stereo-Mixe angefertigt, einer für den US-Markt, der andere für den Rest der Welt: auf dem US-Mix (2:49, bekannt z.B. vom "Roten Album" - Vinyl wohlgemerkt) wurde der rechte Kanal erst ab dem zweiten Riff eingeblendet und es war so gut wie kein Hall auf dem Gesang; er ist bis heute auf CD unveröffentlicht. Der seit 1988 offiziell veröffentlichte UK-Stereo-Mix (2:46) hat Hall auf dem Gesang, und beide Kanäle sind von Anfang an zu hören. Das überzählige "yeah" am Ende des Songs (2:32) wurde 2000 auf "1" digital entfernt, hier nicht; der kurze Aussetzer auf dem rechten Kanal nach "tried to please her" (1:49) wurde auch hier wieder digital restauriert, aber noch geschickter als auf "1".
Obwohl von "Rubber Soul" seit 1987 die neu ausbalancierten Stereo-Mixe von George Martin die Standard-Ausgaben darstellen, hat man von Day Tripper und We can work it out aus denselben Sessions weiterhin die originalen Breitwand-Stereomixe verwendet.
Die fast schmerzhaft klaren Höhen bei The Inner Light, die bei der '88er CD zu hören waren, wurden wieder etwas abgemildert.
Von Ballad of John & Yoko wurde seit Anfang der 70er weltweit nur derjenige Stereomix veröffentlicht, bei dem der Schlag auf die Snare am Ende des Songs leiser gedreht wurde; seit der "1"-CD von 2000 ist wieder die Version mit dem lauteren Schlag erhältlich, so natürlich auch hier.
Nur vier Songs erscheinen mangels existierender Stereo-Masterbänder notgedrungen in Mono: die Single-Version von Love me do; She loves you, I'll get you und die B-Seite von Let it be, You know my Name (Look up the Number), von dem erst 1995 ein verlängerter Stereo-Mix für "Anthology 2" angefertigt wurde. Für Beatles-Sammler und Mono-Freaks, die mit den Zweispur-Stereo-Mixen der Frühen Beatles-Songs ihre Schwierigkeiten haben, gibt es die "Past Masters" in ähnlicher Form auch als "Mono Masters"-Doppel-CD, leider nur erhältlich in der Beatles-Mono-Box, dort ohne die Songs der letzten beiden Beatles-Singles, die es nur noch in Stereo gab (The Ballad of John & Yoko, Old brown Shoe und Let it be), aber ergänzt um die Endsechziger-Monomixe von Only a Northern Song, All together now, Hey Bulldog, It's all too much und Across the Universe (Wildlife Version).
In jedem Falle bleiben diese "Past Masters" spannende CDs, die in konzentrierter Form die unglaubliche Entwicklung der Beatles als Aufnahmekünstler in nur acht Studiojahren nacherleben lassen und so fast gleichberechtigt neben den "Roten" und "Blauen" Alben bestehen können.