Mit ihrer letzten Scheibe "The toxic touch" wagte das holländische Death/Thrash-Quartett GOD DETHRONED einen minimalen Stilwechsel, und begab sich in ungewohnt melodiöse Gefilde. Prinzipiell war dies keine schlechte Entscheidung, weil die Band ihren eigenen Sound um einige interessante Nuancen erweitern konnte. Insofern war "The toxic touch" eine gute und mutige Platte, die aber nur wenige echte Hits (z.B. das geile "Failed to exist") parat hatte. Wenn man aber mal ehrlich ist...am allerbesten waren GOD DETHRONED schon immer, wenn sie die Lautsprecherboxen des Hörers - durch die Mixtur aus gnadenlosem Tempo und Hammer-Groove - in ihre Einzelteile zerbröselt haben. Allen Neueinsteigern sei an dieser Stelle das 2000er Prügel-Meisterwerk "Into the lungs of hell" empfohlen, welches für mich persönlich zu den 10 besten Death Metal-Scheiben aller Zeiten zählt. Alles was GOD DETHRONED danach ablieferten, musste automatisch den Kürzeren ziehen.
Auf dem brandneuen 10-Tracker "Passiondale" gehen die Niederländer überraschenderweise wieder einen Schritt zurück zu ihren Wurzeln, und orientieren sich deutlich an ihren Frühwerken. GOD DETHRONED geben dabei keinen Pfifferling auf irgendwelche Trends, sondern zocken eine ziemlich rohe Mischung aus Death Metal , Thrash Metal mit vereinzelten Black Metal-Zitaten. Dies ist zwar alles in allem nicht sonderlich originell...auf gnadenlosen Nackenbrechern wie "Drowning in mud" , "No man's land" , "Fallen empires" und der Quasi-Opener "Under a darkening sky" musizieren GOD DETHRONED aber mit der punktgenauen Präzision eines Schweizer Uhrwerks, wobei die Band ein ums andere mal durch messerscharfes Riffing überzeugen kann. Auffällig ist hierbei tatsächlich, dass der Aggro-Faktor wieder deutlich (!) höher ist, und fast bei jedem Song hammerharte Blastbeats ausgepackt werden. Qualitative Abstriche müssen lediglich auf "Behind enemy lines" gemacht werden, bei dem die Band irgendwie nicht auf den Punkt kommen will. Im krassen Gegensatz dazu steht u.a der großartige Titelsong, der mit einer brutalen Mischung aus BOLT THROWER und early PARADISE LOST-Vibes überzeugt, wobei der Chorus wirklich ungemein eingängig ist. Absoluter Höhepunkt dieses rabiaten 38-Minüters ist aber zweifellos das mächtige "Poison fog". Hier haben GOD DEHRONED den Überraschungseffekt tatsächlich auf ihrer Seite. So beginnt die Nummer eigentlich mit gewohnt typischer Thrash-Schlagseite, ehe die Band im Mittelteil in einen lupenreinen Pagan-Part im Stile von PRIMORDIAL übergeht. Die "Clean-Vocals" von Gastsänger Marco v. d. Velde (THE WOUNDED) schaffen eine nahezu bedrohliche Atmosphäre und passen an dieser Stelle wirklich haargenau. Klasse !!! Einer der größten Pluspunkte von "Passiondale" ist übrigens der gnadenlose Mörder-Sound, für den sich mal wieder Jörg Uken (Soundlodge Rhauderfehn) verantwortlich zeichnet. Der norddeutsche Knöpfchendreher hat GOD DETHRONED eine wirklich beispielhafte Produktion "auf den Leib geschneidert". Soundlöcher Fehlanzeige !!! Es würde mich nicht verwundern, wenn sich die "Soundlodge"-Studios zukünftig zu einem der gefragtesten Recording-Tempel Europas entwickeln würde.
An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf das Text-Konzept von "Passiondale" eingehen, welches sich mit den Schrecken des 1. Weltkrieges auseinandersetzt. Nun ja, solche Kriegsthemen sind im Metal-Bereich ja nichts neues, und für Freizeit-Historiker möglicherweise sogar interessant. Mir entlockt so ein martialisches Text-Konzept mittlerweile nur ein laues Gähnen. Und wenn die Musiker dann im Booklet noch unbedingt Uniformen tragen müssen, bekommt das ganze schon irgendwie einen ziemlich naiven Touch. Politisch sind GOD DETHRONED zwar absolut unbedenklich...aber man sollte diesbezüglich nicht mit dem Feuer spielen. Es gab schon ganz andere Bands, deren musikalischer Charakter "von Rechtsaußen" zweckentfremdet wurde.
Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass GOD DETHRONED mit "Passiondale" eine tolle Scheibe abgeliefert haben, die sich bedenkenlos zwischen KREATOR , BOLT THROWER , GOREFEST und DEFLESHED im Plattenregal einsortieren lässt. 4 Sterne !!!