Liebe Leser,
Passion Play ist kein Film, der vor großem Publikum funktionieren kann. Er lebt zum größten Teil von seiner äußerst ungewöhnlichen Geschichte um eine engelhafte Gestalt, einem verarmten Trompeter und der melancholischen Hintergrundstimmung, die von fast schon hypnotisierenden Bildern getragen wird. Jeder Augenblick, jeder Ton, jedes Gespräch, jede Einstellung ist genauestens durchdacht. Doch erst, wenn man auch das Ende des Films sieht, versteht man, weshalb ich von dieser Perle des Films so ins Schwärmen gerate. Selten hat mich eine Geschichte so berührt. Selten endet ein Film derart überraschend. Selten hat man das Gefühl, etwas Besonderes gesehen zu haben.
Mickey Rourke spielte schon als Wrestler eine überzeugende Rolle, mit der man als Zuschauer schnell symphatisieren konnte. Er ist einfach ein Typ, der durch sein Aussehen und seine Gestik glaubwürdig und lebensnah wirkt. Die Figur des Trompeters; einem einst gefeiertem Star, verkörpert er kompromißlos und eindringlich. Von der ersten Sekunde an ist man als Zuschauer auf seiner Seite, lebt, leidet, hofft und trauert mit ihm mit. Sein Kampf mit sich selbst, um das Herz der geflügelten Schönheit und gegen Happy; einem gar nicht so glücklichen - sondern eher verbitterten Bill Murray, bannt von Anfang bis zum Ende das Auge auf die Bildschirmmitte, weil man keinen der berührenden Augenblicke verpassen will. Dabei wird einem schnell bewußt, daß das kurze Glück der beiden Protagonisten nicht lange anhalten kann, denn beide sind in gewisser Weise tragisch miteinander verbunden.
Besonders bewunderswert ist auch; daß es Megan Fox erstmals gelingt, mehr als nur eine nette Begleiterscheinung in einem Film zu sein. Obwohl der Gedanke an ein geflügeltes Wesen zunächst absurd erscheint, bleiben ihre Gefühle stets nachvollziehbar. Man fragt sich, ist es möglich? Gibt es Engel? Ist uns alles im Leben vorherbestimmt? Man müßte schon ein Herz aus Stein besitzen, wenn das tragische Finale uns Menschen gänzlich unberührt ließe. Manche Passagen dieses kleinen Meisterwerks sind so schwermütig, daß man Nate am liebsten auf die Schulter klopfen oder den Atem anhalten möchte, um jeden der vielen symbolträchtigen Momente in Gänze einzufangen. Ich denke an den schwarzen Engel, den rotdurchdrängten Sonnenuntergang und die Ewigkeiten, die so mancher Gedanke dauert, bis er ausgesprochen ist. Genau so geht es auch den Figuren in diesem Film und genau deswegen ist dieser Film auch etwas langsamer, eben wie im echtem Leben. Aber deshalb nicht weniger spannend und weniger wahr.
Die Blu-ray von Passion Play ist ein zweischneidiges Schwert, denn eigentlich braucht man sie nicht. Über dem ganzen Werk liegt ein teils grobkörniger Filter, um der Tragik noch mehr Ausdruck zu verleihen und um platz für eigene Gedanken zu schaffen. Man muß nicht jede Augenwimper einzeln sehen, um sich mit beiden Figuren zu verbünden. Alles, was man mitbringen muß, ist ein wenig Geduld, bis sich das famose Ende zu einem unvergesslichen Augenblick entfaltet. Und dann werden Sie vielleicht wie ich darüber glücklich sein, nicht schon am Anfang aufgegeben zu haben, denn dieser Film ist es wirklich wert.