Wenn jemand sich vornähme, in seinem Leben einen einzigen Film zu sehen, ich würde "Passion" empfehlen. Bergman war hier auf der Höhe seiner Kunst angelangt und schuf mit seinem bevorzugten Kameramann Sven Nykvist das eine Psychodrama, das fortan den Maßstab für jeden anderen Film dieses Genres bildete.
Liv Ullmann und Max von Sydow brillieren als zwei zutiefst verwundete Menschen, die auf der Suche nach Halt und Zuneigung zu einander finden, deren Beziehung jedoch ohne Leben bleibt und schließlich in aller Härte scheitert. Währenddessen wird die dünn besiedelte Insel, auf der sich die Geschichte zuträgt, zunehmend zu einem furchterregenden Ebenbild der Verzweiflung und des Misstrauens der beiden Protagonisten. Zentrales Motiv des Films ist die Aufrichtigkeit des Urteilens und Handelns, die beide fordern oder doch zu erstreben vorgeben, tatsächlich aber selten erreichen. Neben dieser zwischenmenschlichen Dimension läuft als Subtext eine Reflexion zum Verhältnis von Kunst und Leben mit: die Fiktion der Kunst wird, im Leben angekommen, zum Betrug.
Erzählerisch bemerkenswert einfach gehalten und unprätentiös fotografiert, steckt dieser Film voller Bilder, die einen nicht wieder loslassen. Aufnahmen wie die des toten Johann oder die Schlusssequenz des Films reichen über die Bedeutung für die Kinogeschichte hinaus, sie gehören zum unverbrüchlichen Bestand europäischer Kunst. Dabei weiß Bergman, dass noch das existentiellste Drama, das in Dunkelheit und Kälte endet, nicht ohne ein gewisses Wohlwollen auskommt und vielleicht sogar etwas Humor erfordert. Manches für diese Geschichte Bedeutsame wird nicht explizit erwähnt, die Zuschauerschaft muss es sich hinzudenken. Dahingegen weist der Erzähler etwa auf die gut sichtbare Tatsache hin, dass Andreas an einem Abend eine gelbe Krawatte trägt - Bergmans Kommentar zu den Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen des Kinopublikums.