Da ist sie wieder. Die Band von der ich jedes Album im Schrank stehen habe und auch noch stehen haben werde, mit der ich aber nie so richtig warm werde. Warum? Ich respektiere sie und sehe, dass sie in dem, was sie tun sehr gut sind, mich nervt jedoch, dass sie sich ständig in ihrem Stilmix verwirren. Und daran hat sich auch auf dem neuen Album nichts geändert.
Was sie gut machen ist nach wie vor ihre Technik und ihre Professionalität. Variables Schlagzeug mit teils extrem guter Double Bass Arbeit als treibendes Fundament. Präsenter, prägnanter Bass, der die Basswerte noch mal richtig kräftig in die Höhe treibt. Gitarren mit auf den ersten Blick sehr simplem Riffing, die aber teils rythmisch recht vertrackt sind, wie man es sonst z.B. von Meshuggah kennt. Dazu kommen super eingesetzte Synhties, die den Melodien den gewissen Kick geben. Und natürlich der Gesang. Diesmal besonders zu erwähnen, da jetzt Gillaume Bideau von Scarve seine Lunge auf dem Mikro verteilt.
Und der leistet einiges. Er ist sichtbar variabler als sein Vorgänger. Er wechselt fließend zwischen popkompatiblem Cleangesang, allen Arten von rauem Gesang kreischt sich die Seele aus dem Leib und growlt in bester Deathmetal Manier.
Ebenso variabel wie Gillaume gibt sich das Songwriting und die Instrumentierung. Da sind nur so dahinzischende Riffbrecher dabei (Psykorgasm), rockige Songs (The Eye On Your Back) und fast schon elektronische (Meaningless). Und die Band bekommt absolut alle Stile überzeugend hin. Auch in den Songs wird ständig zwischen einfachen Groovelinien vertrackten polyrytmischen Aufbauten, langen Melodieparts und Knüppelparts gewechselt.
An sich sehr schön. Problem aber wie immer bei Mnemic: Die Übergänge und Melodiebögen sind durch die technisch anspruchsvollen Sprünge häufig fast unkenntlich und zerreißen die Songs oft atmosphärisch in mehrere Teile.
Was bei manchen Songs super funktioniert, wirkt bei einigen ziemlich irritierend und stört den Gesamtfluss.
Mit ihrem technischen Können, Einfallsreichtum und ihrer Variablität sind Mnemic sicher mit Sybreed immer noch die Speerspitze des modernen Thrashmetal neuerer Generation.
Sie müssen sich in dieser Position aber auch die drängende Frage gefallen lassen, warum sie nicht endlich mal durchgängig fließende Songstrukturen zustande kriegen.