Roberto Alagna (Jahrgang 1963) ist das Großmaul unter den (Star-) Tenören. An seiner Behauptung, er würde pro Abendveranstaltung 100.000 ¤ kassieren, scheint aber bei Lichte betrachtet nicht viel dran zu sein. Anders ist diese Publikation kaum zu erklären. Folgt sie doch ganz offenkundig eher Umsatzkalkulationen als musikalischen Präferenzen. Zuletzt nämlich haben sich die Ausflüge von Alagnas Kollegen in die südländische Romantik durchaus gelohnt - man denke an die entsprechenden Projekte von Florez, Schrott oder Villazon.
Nun also Alagna mit einem bunten Strauß tropischer Gassenhauer - "Besame mucho" ist auch dabei. Und er schlägt sich wacker, der leicht in die Jahre gekommene, schon ein wenig vergessene Tenor. Gekonnt, viril, mit schön timbrierter Stimme und festen Mittellagen trägt Allagna das Repertoire vor - die Höhenlagen indes sind sein Fall nicht mehr so recht. Hier wirkt sein Organ bereits ein wenig dünn und brüchig. Das leistet dem Niveau der Darbietung allerdings keinen wesentlichen Eintrag.
Schwerer wiegt indes, dass Alagna durchweg ein wenig unbeteiligt wirkt, kaum motiviert und inspiriert. Alles ordentlich und sicher gesungen, aber ohne Herzblut und Leidenschaft. Eine Pflichtübung. Mehr nicht. Schade!
Umso mehr, da das begleitende Paris Chamber Orchestra mit Yvan Cassar eine durchaus überzeugende Vorstellung abliefert. Hier wird beschwingt und stilsicher musiziert, mit Elan und Gespür für musikalische Finessen.
Was also tun? Ganz einfach! Zur Alternative greifen, zu Juan Diego Florez' Album "Sentimiento Latino".