Philippe Djians Bücher haben meist nicht sehr glückliche deutsche Titel. Der Titel "Pas de deux" seines Romans aus dem Jahr 1991 weist zwar darauf hin, dass Ballett eine Rolle spielt, aber auch, dass es um Paarbeziehungen bzw. um den Widerstreit zwischen Männern und Frauen geht. Der Originaltitel ist "Lent dehors", was etwa "Langsam draussen" bedeutet. Dies ist wichtig für das Verständnis des Romans, der einen Entfremdungsprozess zeigt, also ein langsames Entfernen von bekannten Verhältnissen.
Der Roman hat zwei zeitliche Ebene. In der Gegenwart wird der Ich-Erzähler Henri-John, Lehrer an einem Internat, von seiner Frau Edith verlassen, weil er diese betrogen hat. Die Vergangenheitsebene spielt 30 Jahre früher, als Henri-John mit einer Ballett-Truppe durch Europa zog, sexuell erwachte und nach einer langen Leidensdauer zu Edith fand. In beiden zeitlichen Ebenen entfremdet er sich von seiner Familie, macht eine Phase der Einsamkeit und Selbstfindung durch, um schliesslich wieder zurück zu finden.
"Pas de deux" gehört zu den besten Romanen von Philippe Djian. Das Buch ist grandios durchkomponiert und Djian ist ein äusserst sensibler Erzähler.