Wolfram von Eschenbach erzählt im "Parzival" aus dem frühen Mittelalter. Bevölkert wird diese uns ferne Welt von schönen und mutigen Rittern, die sich für die Liebe edler Damen in Kämpfe stürzen und dabei ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen können: ihren Gegner mit der Lanze vom Pferd zu werfen. Parzival ist der prächtigste Ritter seiner Zeit. Mit seiner Schönheit nimmt er jeden für sich ein, er ist mutig und im Zweikampf unbesiegt. Doch das gilt nicht von Anbeginn, Parzival muss eine Entwicklung durchlaufen: Vom naiven Jüngling, der mehrfach Schuld auf sich lädt, reift er zum edlen Ritter und verantwortungsbewussten Hüter des Grals heran. Wolframs Versepos gibt einen Einblick in die höfische Welt des Mittelalters, den Ehrenkodex der Ritter und ihr Verhältnis zur Liebe. Der Autor trägt mit seinen bisweilen ironischen Kommentaren nicht nur zur Unterhaltung des Lesers bei, er hat auch mit sich selbst als erzählender Figur eine neue Ebene in die Literatur eingeführt. Wolfram schrieb Parzival in mittelhochdeutschen Versen; in der vorliegenden Übertragung von Dieter Kühn ist das Werk sehr gut lesbar.