Horst Obleser zeigt, daß Parzivals Begegnungen eigentlich Begegnungen mit verborgenen Wesenszügen in ihm selbst sind. Die Konfrontation mit diesen Wesenszügen (dargestellt in archetypischen Gestalten) läßt ihn reifen, bis er in der Lage ist, den Gral zu finden. So präsentiert er ein Modell der menschlichen Psyche auf Basis des "Parzival", verwoben mit vielen anderen Mythen und Religionen. All dies fand ich sehr schlüssig, wenn teilweise auch recht kompliziert (ist aber natürlich).
Außerdem ist zu sagen, daß Obleser ein Prophet für die Bekehrten ist. Man muß gewillt sein, in sein Inneres zu blicken, um sein Modell und seine Folgerungen akzeptieren zu können. Die, denen das gelingt, können auf der Suche nach dem Gral einige Schritte vorwärts kommen. Es ist nur die Blickrichtung zu ändern, sowohl bei der Interpretation des "Parzival" als auch bei der Suche nach dem Gral: nicht nach außen schauen, sondern nach innen.