Die Faszination von Artussage und Gralssuche besteht heute genauso, wie um 1200 als der deutsche Dichter Wolfram von Eschenbach seinen "Parzifal" verfaßte. Wolframs "Parzival" war denn auch der erfolgreichste deutsche Versroman des Mittelalters. Aber auch in der Neuzeit, vor allem seit dem 19. Jahrhundert, entfaltete das 25000 Verse umfassende Epos eine außergewöhnliche Wirkungsgeschichte (u.a. in Richard Wagners Oper "Parsifal", 1882). Wolframs Werk, daß nach Vorlage Chrétien de Troyes "Perceval" entstand, kann aber auch heute noch - ebenso wie vor gut 800 Jahren - begeistern. Dies liegt einmal wohl an der allgemeinen Faszination die von Artussage und Gralssuche ausgeht. Zum anderen liegt es an dem besonderen ("dunklen") Sprachstil Eschenbachs und an seiner faszinierenden Tiefsinnigkeit. Das besondere an dieser Reclam Ausgabe ist nun, daß sie neben der mittelhochdeutschen Originalfassung eine - wie ich finde - sehr gelungene Prosa-Nachgestaltung bietet. Es wird einem so einerseits ein leichter und ungestörter Zugang zu einem der großen literarischen Schöpfungen des deutschen Mittelalters ermöglicht. Andererseits wird man nicht des ästetische Reizes, den der außergewöhnliche Sprachstil Wolframs bietet, beraubt. Diese zweibändige Ausgabe von Reclam ist jedem, der sich für die Artuswelt interessiert, nur zu empfehlen. Ein Werk, das man wieder und wieder lesen kann und das aufgrund seiner Tiefgründigkeit bei jedem erneuten Lesen nur noch mehr begeistert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)