Andrew Cunanan soll also ein Party Boy gewesen sein. Der Titel des Buches macht neugierig, doch wird diese Neugierde rasch enttäuscht.
Eingefügt in ein fiktives Gespräch über Andrew Cunanan sind Auszüge aus Pressemitteilungen und Zeitungsberichten über die Mordserie, die Cunanan im Frühjahr und Sommer 1997 verübte. Die Opfer waren Jeffrey Trail, David J. Madson (zwei "Yuppies"), Lee Miglin (ein reichter Immobilienhändler), William Reese (ein Friedhofswärter) und Gianni Versace. Das Buch bleibt an der Oberfläche, es nennt nicht einmal die vollen Namen der Opfer. Viele Hypothesen und Spekulationen über das Motiv der Morde werden angedeutet, ein eigentlicher Standpunkt wird aber nicht vertreten. Mehr als die bloße Abfolge der Ereignisse wird kaum vermittelt, nicht das Wie, schon gar nicht das Warum.
Der Leser erfährt nicht, wer dieser Andrew Cunanan war, nämlich ein am Leben gescheiterter junger Schwuler aus ungünstigen sozialen Verhältnissen, der zu einer für ihn unerreichbaren gesellschaftlichen Schicht gehören wollte und seine Zugehörigkeit durch ein Lügengebäude über eine gewisse Zeit auch glauben machen konnte. An das Lügensystem mag er am Ende selbst geglaubt haben, doch irgendwann drohte es aufzufliegen.
Damit ist die Mordserie nicht erklärt, doch kann man sich auf diese Weise dem Motiv annähern, das Verbrechen zumindest zu begreifen versuchen.
Zwei Bücher, nämlich "Vulgar Favors - Andrew Cunanan, Gianni Versace, and the Largest Failed Manhunt in U.S. History" von Maureen Orth und "Three Month Fever - The Andrew Cunanan Story" von Gary Indiana unternehmen diesen Versuch. Georg M. Oswald beschreibt zwar, dass Druckmedien durch Berichterstattung über den Mord an Gianni Versace eine Auflagensteigerung erreichen, während dies durch Bericht über den Mord an einem Friedhofswärter nicht unbedingt der Fall ist. Aber solche Allgemeinplätze sind leider fast alles, was der Autor zu berichten weiß. Schade, denn das Thema wäre interessant gewesen. Das zeigen die beiden amerikanischen Bücher. Immerhin ist das Buch sprachlich flüssig, und wenn man nicht weiter darüber nachdenkt, merkt man nicht einmal, dass nichts gesagt wird, was über Unterhaltungslektüre hinausgeht.