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5.0 von 5 Sternen
Trattoni in Prag - Permezzas zweiter Streich, 11. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Partitura di Praga (Gebundene Ausgabe)
Vor einem Jahr verblüffte Franca Permezza die Krimiszene mit ihrem Debut "Prosciutto di Parma", das die Gemüter in Erregung versetzte. Kenner des Genres genossen nicht nur den ungewöhnlichen Plot, der den übergewichtigen und zuckerkranken Commissario quer durch die Gesellschaft Venedigs scheuchte, sondern auch die vielen Verweise auf berühmte Kollegen der Autorin, angeblich eine echte Contessa aus alter Venezianischer Familie. Andere fragten, ob es gestattet wäre, sich ironisch und ziemlich unbekümmert aus der Schatzkiste des Italienkrimis zu bedienen und sogar einer in Venedig lebenden amerikanischen Krimiautorin ein Stück aus einer Skulptur auf den Kopf fallen zu lassen. Man darf das offensichtlich, zumindest im zeitgenössischen Roman. In ihrem zweiten Roman hat die Autorin - Wikipedia hält sie für eine Mystifikation - ihre Methoden weiterentwickelt und zugleich verfeinert. Erneut verweist sie auf Vorbilder wie Raymond Chandler, Agatha Christie oder Sjöwall/Wahlöö, aber auch auf Franz Kafka, aus dessen Odradek sie einen tschechischen Kriminalkommissar macht, dem sie auch noch das Äussere eines sehr dünnen Mannes (Dashiell Hammett!) auf den Leib schreibt: High Lights für Literaturkenner, die aber bestenfalls Sahnehäubchen auf diesem Krimi sind. Entscheidend ist und bleibt der Plot, die Story, die diesmal um alte Noten kreist, die unter der Hinterlassenschaft eines ertränkten tschechischen Pianisten in Venedig aufgefunden werden. Der Kommissar ermittelt, wie in Permezzas ersten Roman, mit haarsträubenden Methoden, in Venedig, reist aber auch mehrfach nach Prag, dessen Atmosphäre die Autorin ebenso sicher in den Griff bekommt. Diesmal geht es nicht nur darum, einen Mord aufzuklären, sondern die Herkunft einer gefälschten? Mozartpartitur zu ermitteln, was reizvolle Abstecher in die Musikgeschichte ermöglicht, in der sich Permezza offenbar ähnlich gut auskennt wie in der Bildenden Kunst und Literatur. Alles in allem ein höchst unterhaltender Krimi, der weit mehr leistet als nur eine spannende und ungewöhnliche Geschichte zu erzählen. Falls der zweite Roman eine Krimiserie tatsächlich die Bewährungsprobe für einen Autor sein sollte - Franca Permezza hätte sie glänzend bestanden.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Soviel Mozart, 28. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Partitura di Praga (Gebundene Ausgabe)
Schöne Aufmachung, edler Umschlag, interessanter Klappentext. Das hat mich inspieriert das Buch zu kaufen. Ich habe zwar Proscutto di Parma nicht gelesen, aber ich bin auch nicht sicher, dass ich das tun werde. Irgendwie kommt in Partitura di Praga überhaupt keine Spannung auf, obwohl es doch ein Krimi sein soll. Das fliesst alles so vor sich hin, ohne Kraft, ohne Aha-Effekt. Irgendwie belanglos. Soviel Mozart und Klassik, immer Kaffeetrinken und Floskeln. Ich bereue zwar nicht, dass ich das Buch gekauft habe, denn es ist, wie gesagt, gut aufgemacht und ausserdem ist es besser als jede Schlafpille zum Einschlafen, aber ich finde - genau deshalb -, es ist kein Krimi.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
einfach 'köstlich', 21. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Partitura di Praga (Gebundene Ausgabe)
vor einem jahr veröffentlichte franca permezza ihren erstling "prosciutto di parma" im europa verlag, und es erscheint mir nicht als zufall, daß rowohlt die taschenausgabe dieses titels nicht in seiner krimireihe, sondern im allgemeinen programm plazierte. natürlich, franca permezza schreibt kriminalromane, aber wie ihr erster ist auch ihr zweiter weit mehr als nur das. diesmal hat ihr gefräßiger antiheld den mord an einem tschechischen pianisten aufzuklären, der in venedig unter einer brücke ertränkt aufgefunden wird. schon die umstände dieses todes sind ein hinweis auf den mord an einem italienischen bankier, der in die machenschaften einer faschistischen loge verstrickt war, aber die autorin dreht die schraube noch weiter: unter seinen sachen wird die kopie einer mozarthandschrift aufgefunden, die den commissario aus venedig nach prag führen, wo er - wie sollte es auch anders sein - ebenso viel chaos bereitet, wie sonst nur in der serenissima. der roman erfüllt alle erwartungen des krimilesers: 1. mehrere interessante verdächtige - unter ihnen eine schöne und kluge frau - führen den ermittler von einem irrtum zum nächsten. 2. die schlamperei der ermittlungsbehörde und die eigenwilligen methoden dieses übergewichtigen polizeibeamten erschüttern jegliches vertrauen in die arbeit dieser dienststelle. 3. wenn der oder die täter letztlich zur strecke gebracht wird/werden, dann durch die aufmerksamkeit der halbwüchsigen tochter des commissario während ihrer entführung beim carnevale. das ist schon mehr als genug für einen spannenden krimi, aber auch diesmal liefert die permezza weit mehr. der roman strotzt vor verweisen auf andere kriminalromane und schreckt nicht einmal vor anleihen bei meistern wie franz kafka oder gustav meyringk zurück. das sind zweifellos strategien der postmoderne, die manchen roman ungenießbar machen können, die aber hier gelingen. vielleicht tun sie das auch deshalb, weil die autorin keinen moment vergißt, daß den leser eines kriminalromans in erster linie die story interessiert. die ist gekonnt erzählt, und deshalb fünf sterne, bei denen der commissario vermutlich sofort an einen guten weinbrand denken würde.
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