Vor einem Jahr verblüffte Franca Permezza die Krimiszene mit ihrem Debut "Prosciutto di Parma", das die Gemüter in Erregung versetzte. Kenner des Genres genossen nicht nur den ungewöhnlichen Plot, der den übergewichtigen und zuckerkranken Commissario quer durch die Gesellschaft Venedigs scheuchte, sondern auch die vielen Verweise auf berühmte Kollegen der Autorin, angeblich eine echte Contessa aus alter Venezianischer Familie. Andere fragten, ob es gestattet wäre, sich ironisch und ziemlich unbekümmert aus der Schatzkiste des Italienkrimis zu bedienen und sogar einer in Venedig lebenden amerikanischen Krimiautorin ein Stück aus einer Skulptur auf den Kopf fallen zu lassen. Man darf das offensichtlich, zumindest im zeitgenössischen Roman. In ihrem zweiten Roman hat die Autorin - Wikipedia hält sie für eine Mystifikation - ihre Methoden weiterentwickelt und zugleich verfeinert. Erneut verweist sie auf Vorbilder wie Raymond Chandler, Agatha Christie oder Sjöwall/Wahlöö, aber auch auf Franz Kafka, aus dessen Odradek sie einen tschechischen Kriminalkommissar macht, dem sie auch noch das Äussere eines sehr dünnen Mannes (Dashiell Hammett!) auf den Leib schreibt: High Lights für Literaturkenner, die aber bestenfalls Sahnehäubchen auf diesem Krimi sind. Entscheidend ist und bleibt der Plot, die Story, die diesmal um alte Noten kreist, die unter der Hinterlassenschaft eines ertränkten tschechischen Pianisten in Venedig aufgefunden werden. Der Kommissar ermittelt, wie in Permezzas ersten Roman, mit haarsträubenden Methoden, in Venedig, reist aber auch mehrfach nach Prag, dessen Atmosphäre die Autorin ebenso sicher in den Griff bekommt. Diesmal geht es nicht nur darum, einen Mord aufzuklären, sondern die Herkunft einer gefälschten? Mozartpartitur zu ermitteln, was reizvolle Abstecher in die Musikgeschichte ermöglicht, in der sich Permezza offenbar ähnlich gut auskennt wie in der Bildenden Kunst und Literatur. Alles in allem ein höchst unterhaltender Krimi, der weit mehr leistet als nur eine spannende und ungewöhnliche Geschichte zu erzählen. Falls der zweite Roman eine Krimiserie tatsächlich die Bewährungsprobe für einen Autor sein sollte - Franca Permezza hätte sie glänzend bestanden.