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András Schiff ist einfach ein Meister und es lohnt sich immer mal hinzuhören, wenn er gastiert oder eine seiner Aufnahmen zur Hand ist. Niemand schlägt so gefühlvoll die Tasten an und spielt gleichzeitig so exakt wie er. Manchmal scheint es er sei für die Referenz und die anderen für die Varianten zuständig, aber das würde ihm nicht gerecht. Was ihn auszeichnet ist vielleicht, dass er es versteht, seinen neutralen wie gefühlvollen und immer akkuraten Stil zu wahren und trotzdem dem jeweiligen Komponisten im Höchstmaß gerecht zu bleiben.
Selbst hier bei dieser Neuaufnahme der sechs Bach Partiten bleibt er sich wieder irgendwo treu, auch wenn er sich nun von seiner eigenen Interpretation von 1983 für DECCA überaus weit entfernt. Diese entsprach allem oben gesagtem vorzüglich und wirkt doch im Verhältnis vergleichsweise verträumt.
Schiff hat eine großartige Neuinterpretation geschaffen, es scheint, als habe er die Werke in sich reifen lassen, scharf analysiert und neu durchdrungen, um sie mit unvergleichlicher Exaktheit und unvergleichlichem Elan neu zu fassen und wiederzugeben. Er spielt die Anschläge auch bei höchstem Tempo - viel schneller als damals - so sauber und fast hintereinander, als wären sie wie Perlen auf eine Schnur gereiht. Auch wenn die Perlen so verschwindend klein sein mögen und eine klar definierte Linie bilden, so scheint es, als seien sie dennoch - könnte ein Standbild erzeugt werden - eine von der anderen unverschmolzen, jede für sich allein sichtbar. Dabei klingt das keineswegs abgehackt sondern bietet einen wundervollen Fluss.
Das ist beeindruckend und eine Meisterleistung, aber hat fast etwas akademisches. Akademisch natürlich im besten Sinn, denn es läd ein zur Auseinandersetzung mit diesem Werk und mit dieser Interpretation. Und so muss es auch unweigerlich Fragen aufwerfen, insbesondere für jeden, der noch keine Aufnahme der Partiten besitzt.
Es drängt sich ein Vergleich mit der zweiten ebenfalls noch frischen Aufnahme von Murray Perahia
Partitas 1,5 & 6 passend zu
Bach: Partitas Nos. 2, 3 & 4 an. Im Vergleich macht Perahia wahre Mätzchen mit den Stücken. Mit ungleich viel mehr Emotion, lässt er keinen Zweifel daran, dass Bach die Partiten als Tänze schuf, was bei ihm jedoch auch auf Kosten von Stringenz und Stetigkeit geht. Er begeistert wenn er losprescht, aber genauso bestürzt er, wenn er sich anschließend wieder zügeln muss. Zumindest ist das der Eindruck, der bleibt, wenn zum Vergleich die Neuinterpretation von Schiff erst mal im Ohr ist.
Wo liegt jetzt die Lösung? Nun "eine" Lösung kann es nicht geben, da wir Bach nicht mehr fragen können. Die zur Zeit rundeste, temperamentvollste Interpretation und Gesamteinspielung der Tanzsuiten, die dabei zugleich luftig und dennoch gefühlvoll klingen, hat wohl Angela Hewitt vorgelegt
The 6 Partitas. Ihr Spiel erscheint im Vergleich wie die logische Konsequenz aus dem der beiden Herren, so flink und temperamentvoll, sowie gleichzeitig exakt und akzentuiert wirkt es. Sie hat Gefühl für die Leichtigkeit der Tänze, Gefühl für die Pausen und Wendungen, Gefühl für den Fluss der Emotionen.
Das passt zur Zeit, aus der die Tänze stammen und wie sie vermutlich damals Verwendung fanden, nachdem Bach sie beginnend 1726 mit Opus 1 sukzessive jährlich veröffentlichte und schließlich 1731 als Gesamtwerk anbot.
Unabhängig davon stellt aus heutiger Sicht diese Meisterleistung von Schiff ebenso eine Lösung dar, wenn es darum geht, die Vorlage zu eigenständigem, schlüssigem, akkuratem und überaus virtuosem Leben zu erwecken.
Hier lautet die Frage weniger ob Bach das so gedacht hatte, als ob er es so geschätzt hätte.
Ein Meisterstück! Ob es "das" Meisterwerk ist bleibt Geschmacksache und mit dieser nur bedingten Allkopatibilität fehlt ein wenn auch kleines Wenig des fünften Sternes.