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Dass die Musik der Barockzeit vor allem Gebrauchswert gehabt habe und ein Werkbegriff im heutigen Sinne auf sie noch nicht anwendbar sei, wird oft behauptet, ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit beziehungsweise trifft nicht auf die gesamte Musikproduktion zu: Zahlreiche Komponisten haben auch im Barock schon danach gestrebt, besonders sorgfältig ausgearbeitete Proben ihres Könnens entweder zum Zwecke der Verbreitung oder auch im Sinne eines Vermächtnisses im Druck erscheinen zu lassen. Dies gilt auch für Johann Sebastian Bach. Nachdem er als Leipziger Thomas-Kantor die letzte Station seiner Laufbahn erreicht und in den ersten Jahren dort vor allem ein gewaltiges Kirchenmusik-Repertoire angelegt hatte, beschäftigte er sich mit der Komposition von Klaviermusik in exemplarischer Qualität unter Berücksichtigung eines breiten Spektrums damals gebräuchlicher Gattungen. Die sechs Partiten (BWV 825-830), ihrer Art nach suitenartige Zusammenstellungen unterschiedlicher stilisierter Tanzsätze, machten den Anfang: Sie erschienen ab 1726 zunächst einzeln im Druck und bildeten 1731 dann den ersten Teil der auf vier Folgen angelegten Klavierübung.
Pjotr Anderszewski spielt auf dieser CD drei der ursprünglich für einmanualiges Cembalo komponierten Stücke auf dem Klavier, allerdings mit einer sehr exakten, am Cembalo zumindest orientierten Klangvorstellung: Seine Artikulation ist glasklar und meist angenehm trocken. "Non-Legato-Spiel" klingt fast zu grob zur Beschreibung seiner differenzierten Anschlagsweise, bei der ganz nach barocker Manier die einzelnen Töne auch im schnellen Tempo niemals ineinander fließen, sondern immer leicht getrennt sind, ohne dass dies freilich in ein Stakkato à la Glenn Gould ausartet. Ist Anderszewskis Spielweise in dieser Hinsicht durchaus "historisierend", so nutzt er in anderer Hinsicht die Möglichkeiten des modernen Flügels, indem er sich bei ruhigeren Sätzen ab und zu ein zartes Piano erlaubt. Er bleibt dabei allerdings insofern historisch, als eine einmal gewählte Dynamik dann für einen ganzen Satz gilt; dynamische Entwicklungen nach romantischer Art gibt es nicht.
Andreszewskis Aufnahme der ersten, dritten und sechsten Partita kann daher insgesamt als wirklich gelungen bezeichnet werden, denn sie wird den Stücken trotz der Wahl eines modernen Klavierinstruments völlig gerecht und lässt sie sehr "objektiv" beziehungsweise in praktisch zeitloser Interpretation zur Geltung kommen. --Michael Wersin
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sturm und Drang,
Von Robert Fischer (Muenchen, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Partiten 1,3 & 6 (Audio CD)
Es ist ein lohnenswertes Unterfangen, die hier vorgelegte Einspielung der Partita No. 6 in E-Moll mit der erst kürzlich erschienenen von Murray Perahia zu vergleichen: Man meint, das seien zwei verschiedene Werke. Nicht nur, dass Perahia das Stück gefühlt halb so schnell spielt wie Anderszewski; sein Ansatz (wohlgemerkt: desselben Stückes) scheint ein ganz anderer zu sein. Während Anderszewski diese Partita quasi als Bravourstück nimmt - Sturm und Drang eines doch wesentlich jüngeren Interpreten? - fallen einem bei Perahia sofort Begriffe wie "nobel", "gediegen", ja durchaus: "klassisch" ein. Da ich die Einspielung von Anderszewski zuerst im Ohr hatte, war mir diese anfangs vertrauter; doch beim mehrmaligen Hören und miteinander vergleichen finde ich nun, dass beide Interpretationen sehr gut nebeneinander (be-)stehen können. Weshalb sich Bach- und Klaviermusikliebhaber am besten gleich beide CDs zulegen - und dann auch noch Schiffs Einspielung aller sechs Partiten. Das wird dann zwar ein teureres Weihnachten, aber: Man gönnt sich ja sonst nicht, oder?
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