Ich kenne diese Aufnahme von 1951 seit Jahrzehnten. Der berühmte Wagnerianer und Kritiker Ernest Newman hörte sie, als er in England im Sterben lag und nannte die Aufnahme "ein spirituelles Erlebnis . 'Now I can die in peace'!". Nicht einmal der "Kna" hat diese Intensität je wieder erreicht. Die Aufführung dauert etwa 43 Minuten länger als jene von Pierre Boulez, ist aber keine Sekunde zu lang. Nie wieder hat die Musik so qualvoll geglüht, die alte Aufnahmetechnik ist schlicht, angesichts deds Wunders, irrelevant und schnell vergessen.
Die große Überraschung der Aufführung ist Wolfgang Windgassen. Wer die stets intelligente aber dünne Stimme von den 1960ern kennt, erlebt hier ein naiver junger Tor mit leuchtende Stimme, dessen "Amfortas"-Ruf wie ein elektrischer Schock aufrüttelt. Wie kein zweiter schafft er den Übergang zum wissenden Geläuterten dann im 3. Akt. Die Mödl ist wohl die aufregendste Kundry aller Zeiten. Es friert einem das Blut, wenn sie erzählt, wie sie IHN am Kreuz ausgelacht hat. George London als gequälter, stimmlich überwältigender Amfortas, Hermann Uhde als schwärzester Klingsor, sogar Arnold van Mill als satter Titurel sind kaum zu überbieten. Letztlich aber steht oder fällt jede Parsifal Aufführung mit dem Gurnemanz. Weiser, väterlicher, auch wo nötig bestimmter als Ludwig Weber geht einfach nicht. Man höre seine Trauer nach dem Tode des hold Schwan: "Er war uns hold, was ist er nun Dir?" Ein Erlebnis! Genug, man könnte ewig weiter schwärmen.
Gott behüt', dass man das "alte" auf Kosten der heutigen SängerInnen überbewertet, denn es gibt auch heute grandiose Interpreten. Ich vermute, der Unterschied liegt an der Aktualität von Schuld und Sühne in Deutschland und Europa, bloß 6 Jahre nach der Götterdämmerung. Das Einmalige an dieser Aufnahme liegt an ihrer erlebte Spiritualität: Ernest Newman hatte Recht. Nur eines geht nicht: daneben etwas Anderes tun. Eine Aufnahme, die totale Fokussierung von Zuhörer abverlangt, man sei gewarnt!