Die CD ist eine Live-Aufnahme aus Bayreuth aus dem Jahr 1962. Die Tonqualität ist ok, aber altersgemäß ein bisschen eingeschränkt, leicht dumpf und die Publikumsgeräusche noch etwas ausgeprägter als z.B. als z.B. in der Boulez-Einspielung von 1971 (aber im ganzen nicht sehr störend). Es liegt ein Booklet mit kompletten Libretto bei.
Die Aufnahme ist in ihrem Grundcharakter sehr langsam und würdevoll (ein echtes 'Weihefestspiel'), was v.a. an Knappertsbusch durchgängig langsam gewählten Tempi und sehr betonten Spiel liegt. In Übereinstimmung damit gibt Hans Hotter den Gurnemaz sehr würdevoll, ganz der Berichterstatter im Hintergrund, wie es dem Inhalt vieler seiner Sangesbeiträge entspricht. Trotz einer guten und in ihrer Würde beeindruckenden Gesangsleistung ist mir geht es einen Tick zu altbacken und onkelhaft.
Andere Sänger haben etwas mehr Probleme sich auf die langsamen Tempi einzustimmen und man hat den Eindruck, dass sie es ab und an gerne etwas zügiger hätten (die Chöre gar klingen an manchen Stellen ein bisschen zeitversetzt, als ob sie Knappertsbusch antreiben wollen). Jess Thomas ist ein gesanglich überzeugender Parsifal. Interpretatorisch überzeugt er mich nicht ganz, weil zu wenig Invidualität und Personalität deutlich wird, aber er singt eindrucksvoll und technisch gut.
Irene Dalis als Kundry gefällt zunächst dadurch, dass sie die Figur deutlich in ihrer Individualität herausstellt. Sie ist sehr präsent und lässt die 'bösen' Anteile Kundrys schillern. An manchen Stellen gerät es ihr jedoch einen Tick zu dramatisch und ein bisschen spitz.
Auch Gustav Neidlinger als Klingsor beeindruckt durch hohe Expressivität, die aber ab und zu zu Lasten der Präzsision geht. Ebenso ist George Londons Amfortas eine sehr kraftvolle, zornige Figur, deren Verzweiflung über die Situation deutlich spürbar wird.
Fazit: Eine gute Aufnahme. Das langsame Dirigat ist Geschmackssache, aber ich finde, dass eine die 'Würde' betonende Interpretation des Parsifal ihre Existenzberechtigung hat und ein interessantes Hörerlebnis ist. Für die mangelnde Harmonie mit den meisten Gesangsrollen, deren Interpreten das anders zu sehen scheinen, gibt es einen Stern Abzug.