Solti präsentiert die bestmögliche Besetzung der Kundry (Christa Ludwig). Es ist nicht untertrieben, sie als zentrale Figur des Parsifal zu bezeichnen, da alle Männer des Stücks in gewisser Weise an ihr leiden (Amfortas, Klingsor, Parsifal), auch wenn sie gesanglich nur im zweiten Akt wesentlich präsent ist. Die Titelpartie ist mit dem jungen René Kollo akzeptabel besetzt, zumal kaum überzeugende Darsteller dieser rätselhaften Rolle vorhanden sind. In der umfangreichen Partie des Gurnemanz überzeugt Gottlob Frick, dessen volles Können offenbar erst in diesen Mammutpartien (auch: Hagen) deutlich wird.
Fischer-Dieskau als Amfortas und Zoltan Kelemen als Klingsor kann man sicherlich nicht als Idealbesetzung loben, doch zeigen beide durchaus Positives: Fischer Dieskau durch überlegte Deklamation und Verinnerlichung der Rolle (dafür weniger Dezibel und Sekunden bei den Erbarmen" - Rufen) und Kelemen durch Stimmschönheit und Interpretationsansätze (bei immer noch vorhandenem ungarischem Akzent).
Allerdings erscheint die Besetzung des Titurel mit dem betagten Hans Hotter mehr als fragwürdig, zumal hier ein tiefer Bass gefordert wäre. Solti sorgt für eine zügige, transparente Lesart der Partitur und achtet akribisch auf Klangeffekte (Auswahl echter Kirchenglocken). Die RHYTHMISCHE UND DABEI STETS EMOTIONALE Ausarbeitung der Partitur wird man so in anderen Aufnahmen kaum finden - beispielhaft wäre hier für mich die Motivik der Amfortas-Klage aus dem ersten Akt.