Wagner hat Parsifal als Bühnenweihfestspiel bezeichnet und gab sehr langsame Tempi vor. Manche Musikwissenschaftler behaupten deshalb, daß Wagner mit Parsifal die Operngattung eigentlich verlassen hat. Wenn man eine klassische Aufnahme des Parsifals für wenig Geld sucht, ist die Version von 1951 (also Mono) von Knappertsbusch mit London (Amfortas), Ludwig Weber (Gurnemanz), Windgassen (Parsifal), Marta Möll (Kundry) usw. sehr empfehlenswert.
Diese Version von Herbert Kegel ist wesentlich flotter. Der erste Akt dauert 94 Minuten, bei Knappertsbusch und die anderen Wagnertreuen 118; Der zweite Akt dauert bei Kegel 60 Minuten, bei den anderen 88! Die Einspielung ist sehr klar und transparent, vergleichbar mit Debussy. Es hat auch mehr Temperament als üblich, also insgesamt mehr opernhaft. Die Interpreten sind querbeet gut, auch die Chöre (Rundfunkchor Leipzig, Rundfunkchor Berlin, Thomanerchor Leipzig) und die Aufnahmequalität ist in Ordnung. Es ist eine Liveaufnahme und man hört manchmal husten und Geräusche wie rücken von Stühlen u.a., aber das ist normal und es nicht zu viel.
Meiner Meinung nach ist diese Einspielung vor allem deshalb empfehlenswert, weil man anhand einer CD den Parsifal eben nicht auf der Bühne sieht, sondern nur hört, wodurch die Langsamkeit mehr ins Gewicht fällt. Weil Parsifal eine hohe Konzentration erfordert, um ihn überhaupt wahrnehmen und genießen zu können, kann es bei sehr langsamen Aufnahmen schon mühsam werden.