Eine gelungene Wiedergabe der Bayreuther Parsifal-Inszenierung von Wolfgang Wagner unter dem Dirigat vom Horst Stein in diesem Mittschnitt
von 1981. Das Bühnenbild geriet für meinen Geschmack teils etwas zu oppulent bzw. farblich übertrieben (andererseits gibt es uns einen Hauch
von Siegfried Wagners Parsifal von 1920!) bei den Wald-und Karfreitagswiesen-Szenen im Vergleich mit dem in etwa 10 Jahre späteren, in allen belangen etwas besseren Parsifal von Schenck/Levine an der MET). Mir jedoch sind die Szenen im Refugium des Grals ein wenig zu karg geraten. Das man des szenischen Genusses nun zur Gänze entraten könnte und, wie mein Vorredner bemerkte -
dem ich ansonsten aber überwiegend beipflichte, und lieber Bügeln sollte sehe ich aber nicht so! In der Tat, Horst Stein scheint mir beinah
ein wenig Bammel zu haben vor großen Emotionen, bei der Gralsweihe und dem Kartfreitagszauber bleibt er deutlich zu verhalten. leistet aber
insgesamt solide, kräftige, zügige Arbeit. Wagners wunderbare musikalische Komposition (und Levines gelungene Wiedergabe-MET) der
Gralskirchenglocken ist bei Stein jedoch nur ein dumpf angedeutetes basspedalähnliches Brummeln im Hintergrund, schade.
Der gute Hans Sotin leistet überzeugende, solide Arbeit als Gurnemanz, bleibt aber naturgemäß stimmlich etwas hinter Kurt Moll (beim MET-Parssifal)
zurück und agiert, laut Wolfgangs Regieanweisung, gegenüber Parsifal nicht als väterlicher Freund (wie Moll) sondern im 1. Akt teils etwas überheblich.
Eva Randova ist eine stimmlich kräftige, solide, aber etwas gewöhnungsbedürftige Kundry; die jedoch deutlich hinter Waltraud Meiers
Gestaltung und Wiedergabe (MET) zurück bleibt. Randova ist um klare Akzentuierung in der fremden Sprache öfters bemüht - jedoch
unterstreicht dies wiederum die Fremdartigkeit der Kundry-Figur. Ob jemals jemand die dämonische Zerissenheit, Verzweiflung und den Wahnsinn
Klingsors so adäquat umsetzen konnte wie Leif Roar (sogar seine Augen leuchten wirr) - ich weiß es nicht! Eine grandiose Besetzung, obgleich
ich in dieser Rolle auch gern Salminen gesehen hätte (hier singt er leider "nur" den Titurel). Ja, es ergeben
sich Parallelen zu "Saruman den Großen" im "Herr der Ringe" - aber wäre das nicht genau der Ansatz, der Jugend eine Brücke zwischen Wagner
und Tolkien zu bauen - Verwandtes gibt es doch zwischen den "Ringen" und im Parsifal in der Tat! Bernd Weikl bevorzugt bei seiner Interpretation
der Rolle des Amfortas vielleicht wirklich die Aspekte des Aufbegehrens und Todeswillens statt jener des bloßen Leidens - was mir eher
komplimentiert als anders herum. Noch besser erscheint er mir in der späteren MET-Produktion.
Siegfried Jerusalem , wie gewohnt, phantastisch und, ob seiner Jugend 1981 (im Vergleich zu seinem Auftritt von 1993 an der MET) deutlich
überzeugender als jugendlicher, tumber Tor. Ich wüßte gern, ob seine Taumeln und Stolpern kurz nach den berühmten Worten "Amfortas!" und "die Wunde!" im 2. Akt einer Absicht infolge einer Regieanweisung - oder ein gerader noch abgefangener, ansonsten bößer Sturz auf die Bretter des Ruhmes als Ursache hat. Eine werkgetreue, romantizistische Aufführung mit geringer Tendenz zum Kitsch - aber, im Vergleich
zu den Absurditäten des sogenannten modernen Regietheaters (Stuttgarter Ring zum Beispiel): eine wahrhaftige, gelungene Wiedergabe von
Wagners genialem Spätwerk! Ab und zu irritieren gerade bei den dunkel belichteten Szenen Kundry/Parsifal (2. Akt) einige Blitzlicht-Gewitter (oder sind es schlecht retouschierte Irritationen -sprich: Knitter- im ursprünglichen Video?). Unbedingte Kaufempfehlung!