Als absoluter Oasis-Fan dachte ich mir, man sollte immer auch die andere Seite hören, und so legte ich mir das hochgelobte "Parklife" aus dem Jahr 1994 zu. Da ich außer dem "Song 2" vorher von Blur überhaupt kein Lied kannte, war ich verdammt gespannt, was mich auf dieser Scheibe erwarten würde.
Letztendlich hat mich die Musik begeistert, aber sie ist - für alle Oasis-Fans - überhaupt nicht mit den Songs von Noel Gallagher's Truppe zu vergleichen.
Blur sind nicht auf einen bestimmten Stil festzulegen:
Der Auftaktsong "Girls and boys" zum Beispiel ist ein richtiger Ohrwurm mit Nonesense-Text und recht elektronischem Sound, während Stücke wie "End of a century" oder "Badhead" handgemachte, akustisch dominierte Rocknummern sind, bei denen auch gern mal Bläser oder Streicher eingesetzt werden.
"Bank holiday" geht hingegen schon fast in eine punkige Richtung, und der Titelsong ist eine verrückte Mischung aus einem geradlinigen Beat über den der Schauspieler Phil Daniels irgendwelches verrücktes Zeuchs vor sich hinbrabbelt, und einem sehr eingängigen Refrain. Das Instrumentalstück "The debt collector" klingt nach volkstümlichem Waltzer, und das jazzig angehauchte "To the end" mit seinem herzzerreißenden Refrain könnte fast schon als chanson bezeichnet werden.
Doch auch die Freunde geradliniger Rockmusik kommen auf ihre Kosten: Auf "Trouble in the message center" oder "Jubilee" hört man erstmalig eine gewisse musikalische Verwandtschaft zwischen Blur und Oasis heraus, die jedoch durch die ironischen Texte Damon Albarn's sofort wieder negiert wird.
Eine Vermengung mittelalterlicher Cembalo-Klänge und E-Gitarren-Riffs zeichnet "Clover over Dover" aus, und das packende "This is a low" mit seiner nebligen, herbstlichen Stimmung ist für mich der Höhepunkt dieses Albums, welches einerseits als "very British" zu bezeihnen ist und andererseits durch enormen Facettenreichtum besticht.
Das Booklet zu "Parklife" ist das Beste seiner Art ünerhaupt, da es die Textaufzeichnungen Damon Albarn's mitsamt den dazugehörigen Akkorden enthält. Der gemeine Gitarrist kann also gleich mitspielen und erfahren, dass Blur durchaus Mut zu krummen Harmonien haben.
Fazit für alle meine Oasis-Kumpels:
Zwar fast eine Umkehrung der Musik unserer geliebten Rock'n'Roller aus Manchester, aber trotzdem sehr hörenswert...eine ganz eigene Britpop-Welt, diese Blur-Musik.