Nicht dass ich mir dieses - reichlich teure - Werk gekauft hätte. Ich habe noch nie etwas mit den von Parker bevorzugten, fruchtbetonten, oft stark sättigenden, alles andere als süffigen Weinen anfangen können. Parker bzw. die Guru-Stellung, die er genießt, ist meiner Meinung nach dafür verantwortlich, dass man in Spanien klassische Gewächse mit der Lupe suchen muss (früher schmeckte ein Gran Reserva aus dem Rioja unverwechselbar und hatte einen ganz eigenständigen Charakter), man manchem Barolo nicht mehr anmerkt, dass er aus dem Piemont stammt und die Nebbiolo-Traube zur Grundlage hat, viele Winzer versuchen, sogenannte Konzentration durch Konzentratoren zu erreichen und und und.....
Als erklärter Nicht-Parkerianer ist man ja trotzdem neugierig und schaut sich an, was Bekannte im Bücherregal haben....
Die mit drei Punkten mittelmäßige Bewertung hat nichts damit zu tun, dass ich Parker-Weine in der Regel nicht mag - subjektiv würde ich nur einen Punkt vergeben - sondern resultiert aus anderen wesentlichen Mängeln.
1. Ein großer Teil der Weinbewertungen ist allerhöchstens historisch bedeutsam. Zahlreiche der bewerteten Weine werden nicht mehr angeboten und sind auch nicht die Gewächse, die man für gewöhnlich auf Auktionen ersteigern kann. Dieser Kritikpunkt betrifft alle Weinbaugebiete außer Bordeaux, Kalifornien und Teile von Italien.
2. Wenn Parker mal so eben beiläufig äußert, die deutsche Pinot-Noir-Traube bringe meist einen scheußlichen Wein hervor, tut sich der Verdacht auf, hier gehe jemand mit ignoranter Voreingenommenheit zu Werke. Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man die zahlreichen Schreibfehler bzw. Phantasiebezeichnungen vor allem der Weine aus Deutschland und dem Piemont vergegenwärtigt (wenn man Schloß Johannishoff statt Johannisberg schreibt bezweifel ich, dass Parker oder einer seiner Helfer jemals eine Flasche dieses Guts probiert hat..). Es läßt sich zwar über Geschmack (nicht) streiten, aber die Bezeichnung der Weine der Freien Weingärtner aus Österreich als "drittklassig" dürfte den geäußerten Verdacht erneut bestärken. Wenn man dann noch sieht, welcher Raum Neuseeland und Argentinien, insbesondere aber Chile in einem immerhin 1904 Seiten dicken Werk eingräumt wird (nämlich fast gar keiner), zeigt sich ganz deutlich, dass der Autor weder bemüht war, "die wichtigsten Weinbaugebiete der Welt" (so der Einbandtext) zu bewerten noch unvoreingenommen an diese Aufgabe heranzugehen.
Ich denke dies sind Punkte, die auch denjenigen stören werden, der Parkers Geschmack teilt.