Waren damals wirklich so schrille Hemden angesagt? Antwort: nicht ganz, aber beinahe. Trug man wirklich so wenig figurbetonende Jeans? In der Tat. Man trug. Und hatte man wirklich keine anderen Sorgen am unmittelbaren Beginn der 90er Jahre? Ich fürchte nein.
Auch wenn es spitzenbesetzte weiße Radlerhosen unter Midi-Röcken glücklicherweise nicht über den Atlantik geschafft haben (ich trug so was nie, das weiß ich sicher): das Wiedersehen mit der Kultserie macht auf mich den Eindruck einer Zeitreise in eine längst vergangene Epoche. Eine Epoche, in der man Metalldetektoren an Schuleingängen noch für einen Witz hielt, Handys und Internet noch nicht vorhanden waren und man, wie gesagt, weiße Radlerhosen unter Midi-Röcken trug. Dabei ist das gerade mal 20 Jahre her!
Aber die Sorglosigkeit, die aus diesen Bildern spricht, diese zukunftssorgenfreie Unbeschwertheit, die ist uns in der Rezession der 90er, dem 11. September und den zahllosen Krisen und Kriegen seither gründlich vergangen.
Ich möchte daher weniger über die Bildqualität diskutieren (das ist kein Metier, in dem ich gut bin), für mich steht erst einmal die zeitgeschichtliche Dimension der Serie im Vordergrund. (gut, man kann bezweifeln, daß eine Serie eine zeitgeschichtliche Dimension hat, aber darum geht es gerade nicht) Unter diesem Gesichtspunkt finde ich es erschreckend, wie weit wir wirklich schon entfernt sind von dem unbeschwerten Optimismus der beginnenden 90er, der in dieser Serie einen fulminanten Ausdruck fand.
Zum Inhalt selbst muß ich nichts sagen: fünfundzwanzig Folgen, jede ca. 22 Minuten lang. Das hätte sich auch auf weniger als fünf DVDs pro Staffel pressen lassen (aber ich will mal nicht so sein). Wer die Serie kennt, wird begeistert sein (von der Bildqualität, wie gesagt, rede ich nicht). Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, daß es es nahezu unmöglich ist, jemanden von den Qualitäten der Serie zu überzeugen, der sie damals nicht gesehen hat...
Die zweite Staffel setzt ihre Akzente etwas anders als die erste, sie ist routinierter, aber auch konventioneller, die Charaktere sind zwar kaum erwachsener, aber um einiges reifer. Inhaltlich sind beide Staffeln gleichermaßen sehenswert, erst an der dritten und letzten (die noch nicht erschienen ist) fand ich schon vor knapp 20 Jahren so gut wie gar keinen Gefallen.
Interessant und unerreicht ist noch immer die Umsetzung: Obwohl Parkers Abhör-, Übertragungs-, Funk- und Videotechnik selbst nur wenige Jahre nach Erscheinen der Serie dank Handy und Internet hoffnungslos veraltet war, setzen Kameraführung und Technik nach wie vor Maßstäbe: schnelle, manchmal unerwartete Schnitte, assoziative Einblendungen und Zitate (die nicht ohne Absicht bisweilen an einen MTV-Videoclip erinnern), Verfremdungen anderer Filme und Serien, teilweise nahtlos in die Handlung eingebaut: was Inszenierung und Regie angeht, sprengte die Serie schon damals alle Konventionen. Seither hat (so weit ich weiß) keiner mehr etwas ähnliches geschafft.