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Paris ist eine Messe wert. [Gebundene Ausgabe]

Robert Merle , Christel Gersch
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Robert Merles Romanfolge "Fortune de France" ist das farbenprächtige Gemälde einer der dramatischsten Zeiten in der französischen Geschichte: des Bürgerkriegs zwischen Katholiken und Hugenotten im 16. Jahrhundert. In dem einzigartigen Erzählzyklus um die Familie des Arztes und Diplomaten Pierre de Siorac schließt sich nun die Lücke um einen weiteren Band. - Frankreich im Jahr 1588: Die Bartholomäusnacht liegt sechzehn Jahre zurück, aber noch immer schwelt der Bürgerkrieg. Zwar liegt der Herzog von Guise, das Haupt der Katholischen Liga, erdolcht im Schloß von Blois. Doch schon im Jahr darauf wird auch der König von einem fanatischen Dominikanermönch ermordet. Nachfolger auf dem Thron ist der ganz und gar unhöfische, aber militärisch erfahrene, nach Knoblauch stinkende und die Mädchen des Landes vögelnde Henri aus Navarra. Doch Henri ist Hugenotte und damit König ohne Krone - denn seine Hauptstadt Paris hält die Liga besetzt. Und so wird Pierre de Siorac, sein junger Leibarzt, nun auch noch das Waffenhandwerk erlernen. Ein Roman mit dramatischen Abläufen, sprühenden Dialogen und - nach dem "Henri Quatre" von Heinrich Mann - wohl das geistvollste Romanporträt dieses populären französischen Königs.

Über den Autor

Robert Merle, geboren 1908 in Tebessa/Algerien. Nach Schule und Studium in Frankreich war er von 1940 bis 1943 in deutscher Kriegsgefangenschaft. Romanveröffentlichungen, Auszeichnung 1949 mit dem Prix Goncourt. Der Autor verstarb am 28.03.2004.

Auszug aus Paris ist eine Messe wert von Robert Merle, Christel Gersch. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Alles ist vergänglich, unsere Zeit, unsere Welt wie auch wir, und ein Glück nur, daß unseren Augen die Zukunft verborgen bleibt, denn kennten wir sie, erstickte sie unsere Freuden im Keim. In jenem unerhörten Moment, als Guise niederbrach und sein Tod den König und uns, die wir ihn liebten, von einer unerträglichen Last befreite - wären wir da nicht in tiefe Verzweiflung gestürzt, hätten wir vorausgesehen, welches Unheil ein knappes Jahr später unseren armen Herrn treffen sollte? Ach, könnte ich wie ein Maler jenen Augenblick auf einer Leinwand festhalten, wie der Herzog von Guise, von Dolchstichen durchbohrt, so übergroß und blutig vor dem königlichen Bette lag! Und wie der König auf der Schwelle des Neuen Kabinetts verharrte und den Tod seines Feindes noch nicht fassen konnte, weshalb er mich ihn untersuchen hieß. Und als er nach dieser (in Wahrheit unnötigen) Untersuchung aus meinem Mund vernahm, daß der lothringische Fürst seine Seele wem auch immer anheimgegeben hatte, richtete er sich auf, und mit ruhigem, festem Blick und ohne den Ton anzuheben, aber mit einer Majestät, wie wir sie seit unserer Flucht aus dem aufständischen Paris weder in seinen Augen noch in seiner Haltung mehr gesehen hatten, sprach er einige wenige Worte. »Der König von Paris ist tot«, sagte er. »Jetzt bin ich König von Frankreich und nicht mehr Gefangener und Sklave, wie ich es seit den Barrikaden war.« Und dann gab der König mir einen Ring, den Beaulieu von Guises Finger gezogen hatte und der mit einem diamantenen Herzen besetzt war, und befahl mir, ihn Navarra zu überbringen, mit welchem er sich aussöhnen und seine Kräfte vereinigen wolle zum Kampf gegen die sogenannte Heilige Liga, denn er wußte, daß Guises Ende durchaus nicht das Ende der Liga war, im Gegenteil. Indessen war es gar nicht leicht, aus dem Schloß hinauszugelangen, denn kaum hatten sich Guise und der Kardinal in jener Frühe zur Ratssitzung eingefunden, waren Türen und Tore sämtlich versperrt und mit Wachen besetzt worden, damit die Falle hinter ihnen zuschnappte. Und obwohl Laugnac de Montpezat, Hauptmann der »Fünfundvierzig«, mir zur Eskorte La Bastide und Montseris mitgab, die sich straff in ihre Mäntel wickelten, um ihre mit dem Blut des Herzogs bespritzten Wämser zu verbergen, bedurfte es erst der Fürsprache des Herrn von Bellegarde, damit man mich durch ein kleines Ausfalltor an der hinteren Seite des Schlosses hinausließ. Von dort zogen wir in strömendem Regen und unter düster verhangenem Himmel in die eben erwachende Stadt Blois, die noch nichts von der Exekution des lothringischen Prinzen wußte. Doch nicht mehr für lange, denn schon kam unserem Trio ein starker Trupp Soldaten entgegen, die zwischen gesenkten Piken ein halbes Dutzend ligistische Gefangene zum Schloß hinaufführten, unter welchen ich den Präsidenten von Neuilly, der so dicht am Wasser gebaut hatte, den quittegelben La Chapelle-Marteau und den schönen Grafen von Brissac mit dem Schiefmaul erkannte, während ich zum Glück von ihnen nicht erkannt wurde, trug ich doch, wie gesagt, Haare und Bart schwarz gefärbt und das Barett der »Fünfundvierzig« tief in die Stirn gezogen. Mochte diesen Erzligisten blühen, was wollte, dachte ich hundemüde, Gutes wünschte ich ihnen gewiß nicht, zu übel hatten sie meinem geliebten Herrn im Namen der Liga mitgespielt. Und kaum erreichte ich den Gasthof »Zu den zwei Tauben«, fiel ich, taub für die Fragen meines Miroul und ohne mir auch nur die Stiefel auszuziehen, auf mein Bett und schlief ein. Immerhin hatte ich zwei Tage sozusagen kein Auge zugetan, denn die Nacht mit Du Halde in der königlichen Garderobe war doch eher ein langes Wachen gewesen, weil Du Halde solche Angst hatte, die Stunde zu verpassen, zu welcher er den König wecken sollte. Mir war, als hätte ich höchstens fünf Minuten geschlafen, als zwei Hände mich an den Schultern packten und rüttelten, die wiederum ich packte und in den Schraubstock meiner Finger schloß. »Schockschwerenot!« schrie ich, »was ist los? Wer will mir ans Leder?« »He, he, Herr! Laßt mich los!« hörte ich eine Stimme. »Ich bin es doch, Margot, Eure Magd! Ich will Euch nichts Böses und bin unbewaffnet.« »Unbewaffnet, Margot?« sagte ich, indem ich meine entzückten Augen aufschlug. »Unbewarfnet, ja.« »Wahrlich, Margot«, sagte ich lachend, indem ich sie an mich zog und ihren molligen Busen küßte, »unbewaffhet, sagst du? Und was ich hier küsse, wäre kein Angriff auf mein schwaches Herz?« »Laßt gut sein, Herr, und beliebt mich loszulassen!« sagte Margot zornig. »Ich bin keine von den liederlichen Weibsbildern, die Monsieur de Montpezat jeden Montag seinen Gascognern spendiert.« »Bist du etwa noch Jungfrau, Margot?« fragte ich. »Das bin ich, Herr, und will es bleiben. Mögen mich die gebenedeite Jungfrau und alle Heiligen erhören!« »Und mögen sie dich beschützen!« sagte ich, indem ich sie losließ. »Und nichts für ungut, Margot! Hier, nimm die zwei Sous zur Sühne für die geraubten Küsse, meine Hübsche. Weshalb hast du mich geweckt?« »Im Wirtssaal ist ein Edelmann, der Euch sprechen möchte. Er sagt, er sei ein Freund Eures Herrn Vaters.« »Wie sieht er aus?« »Vornehm, ziemlich schön, soweit man es unter seinem großen Hut sehen kann, noch keine dreißig Jahre, denk ich.« »Die Augen?« »Blau, die Nase gerade, breite Backenknochen. Er hat Degen und Dolch und bestimmt eine Pistole unterm Cape. Seine Miene ist ein bißchen überheblich, und er sieht aus, als ob er sich nichts gefallen ließe, aber sonst ist er frank und frei, nicht geizig, nicht böse, ganz wie Ihr, Herr.« »Das hast du schön gesagt, Margot! Und nun geh und bring mir den Fremden her.« Was sie im Handumdrehen tat, und kaum war mein Besucher ins Zimmer getreten, kam er mir mit freundlichem Lächeln entgegen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
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