Mit 186 Seiten eins wohl der kürzesten Werke Jules Vernes. Und das tut dem Buch gut: Vollbepackt bis zur letzte Seite mit Erstaunlichem, Philosophischem und Tragischem.
Anno 1863 geschrieben schildert der Altmeister des Scifi-Romans geradezu perfekt die Welt des 20. Jahrhunderts, so wie sie heute vielerorts wirklich ist. Automatisierung und Überwachung von allem und jedem beschrieben mit beängstigender Detailtreuen, lange bevor George Orwell seinen berühmten Satz "Big brother is watching you" auch nur denken konnte.
Jules Verne, der wahre Erfinder von Tiefkühlkost, elektrischen Garagentoren und Straßenbeleuchtungen, der Pariser Metro, des Faxes, elektronischer Musik, der allseits gegenwärtiger Überwachung und der Frage nach dem Werteverfall der Jugend ("Was ist bitteschön ein Buch?").
Hierfür hat Jules Verne mit Michel eigens einen Prostagonisten kreiert, der wie ein Zeitreisender aus dem letzten Jahrhundert durch eine gefühlose, vom ewigen Winter beherrschte Pariser Stadtwelt taumelt, sich unsterblich verliebt, in eine Dame die genauso kalt ist wie die Stadt in der sie lebt, und er letztlich an Melancholie und gebrochenem Herzen stirbt.
Ein sehr nachdenkliches Buch...großartig geschrieben, lässt sich an einem langen veregneten Nachmittag wie nichts weglesen, hinterlässt aber seine Spuren.
85 Jahre nachdem das Buch verfasst wurde ist es erst von Nachfahren Vernes veröffentlicht worden. Wer die Chance hat, dieses Buch zwischen die Finger zu bekommen sollte es auf jedenfall lesen.
Ein Meisterwerk!