Kein anderer Eintages-Radsport-Klassiker hat den früheren Fernsehreporter mehr begeistert als das jetzt 115 Jahre alte Paris-Roubaix: die Tortur über das Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs. Nun ist diesem Monument aus früheren Jahrhunderten,als man dort Kohle und Erz transportierte, ein neues Denkmal gesetzt worden - in Wort und Bild: "Die Hölle des Nordens".
Das Buch hätte vielleicht besser heißen können "Wenn Steine erzählen könnten..."; doch das tut ein hochkarätiges Autorenquartett der französischen Tages-Sport-Zeitung "L'Equipe". Es beschreibt faszinierend sämtliche Rennen der "Königin der Klassiker" seit 1896. Es hat aus den Archivkellern die schönsten, die hautnahsten Fotos herausgesucht. Die legendären Steine springen den Betrachter an...die Gesichter der malträtierten Fahrer mit ihrem schwarzen Make up; die geschundenen Körper; Schlamm und Staub; die wie hysterischen Zuschauer... und eben immer wieder diese Quader und Rechtecke aus Basalt und Granit - nach wie vor die unerschütterliche "Grundlage" und der Nimbus dieses anachronistischen Sportereignisses.
Ja, es gibt schon ein halbes Dutzend Paris-Roubaix-Bücher; ich besitze sie alle. Aber "Die Hölle des Nordens" ist unter all den guten das beste. Kein anderes ist so dicht dran, hat so viele Details zu zeigen und zu schildern - auch von deutschen Glanzleistungen, leider nur von einem Sieg, aber immerhin dem ersten! Rudi Altig,die Ikone,schmückt im Duell mit Eddy Merckx sogar das Titelbild; dazu die Dramen von Rolf Wolfshohl und Olaf Ludwig; die großen Rennen von Gregor Braun und Steffen Wesemann.
Alles in allem, SIE merken, der Journalist, der um die 30mal bei Paris-Roubaix Augenzeuge war, ist begeistert. Und er empfiehlt dieses Buch, auch für Nicht-Radsportler, als ideales (Weihnachts-)Geschenk.
Klaus Angermann, Wiesbaden