Die äußere Erscheinung des Buchs ist sehr gelungen. Das Cover-Bild gibt einen Vorgschmack auf das, was einen auf den 240 Seiten des Bandes erwarten. Obwohl das Buch, wie die meisten Stücke des Taschen-Verlags, keinen festen Einband hat, sondern eher als übergroßes Taschenbuch daherkommt, ist es recht stabil und wirkt kein bischen billig. Die Fotos selbst sind zwar nicht hochglänzend aber dafür detailiert und hochauflösend gedruckt. Einzelne leicht verschwommene Bilder kann man verschmerzen, wenn man deren Entsehungsdatum liest.
Das Innere des Buches ist in zwei Abschnitte untergliedert: Zuerst wird in einem, auf Englisch, Französisch und Deutsch geschriebenen Einführungstext die Geschichte der Fotographie und ihre Entwicklung in der Weltstadt Paris erzählt. Der Textteil ist mit 18 Seiten recht kurz, jedoch immer interessant und verständlich geschrieben. Die zahllosen Künstler, welche darin genannt werden, dürften jedoch nur eingefleischten Fotographiefans bekannt sein. Der zweite Teil des Buches bringt das wesentliche Thema, nämlich die Fotographie, in bildlicher Form zum Ausdruck. Wer jedoch Großaufnahmen vom Eiffelturm oder der Seine erwartet wird enttäuscht sein. Das Buch konzentriert sich voll und ganz auf die Details der Stadt und auf die Sichtweisen der einzelnen Künstler. Insgesamt werden etwa 200 Bilder in 13 Kategorien gezeigt; darunter Parkanlagen, Bistros, Verliebte, Straßen und politische Szenen. Die Bilder sind alle in schwarz-weiß gehalten und mit Datum, Autor und einer kurzen Beschreibung versehen. Wie schon gesagt, die üblichen Postkartenmotive, wie man sie in jedem Souvenirshop oder im Internet findet, sind nicht dabei. Daher ist dieses Buch weniger denen zu empfehlen, die noch nie in Paris waren und einen Rundum-Eindruck von dieser wunderbaren Stadt bekommen wolle, als vielmehr denen, welche die Stadt schon besucht haben und nun einen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen suchen. So vielen mir gleich die Bilder des Friedhofs Pere-Lachaise auf, welchen ich bei meiner letzten Paris-Reise besucht hatte. Allerdings bietet, der Band auch altgedienten Paris-Experten viel Neues, da gerade die künstlerischen Fotographien, einen ganz anderen Blick ermöglichen, als den, den man selbst beim Betrachten der Stadt bekommt. Zudem stammen die meisten Szenen aus einer Zeit, die kein heute lebender Mensch je miterlebt haben kann und die somit für jeden etwas Neues darstellen. Ob Marktszenen aus den späten 50ern oder spielende Kinder im Schnee des frühen 20.Jahrhunderts, viele Bilder geben ein Paris wider, welches in dieser Form heute einfach nicht mehr existiert. Auch wenn, einige Bilder mich persönlich nicht besonders beeindruckt haben, so kann ich doch sagen, dass alles in allem eine sehr gute Auswahl an Fotographien im Buch zu finden ist und man durchaus Fotos entdeckt, die einen zum Staunen bringen.
Summa summarum ein gelungenes Buch über das Leben und die Fotographie im Paris des 20.Jahrhunderts. Außreichend schriftliche Erklärung zum Thema und zig einzigartige Bilder, die man so sicher noch nirgendwo gesehen hat. Für Fotographie- und Parisfans gleichermaßen empfehlenswert.