Wenn es einer fertig bringt, alte mit neuer, wohl strukturierte mit experimentell variierender Musik so galant zu verweben, dass dies ohne hörbare Zäsur von statten geht, dann ist das gewiss Keith Jarrett. Sicher wandert er "spielend" durch die Epochen der Musikgeschichte, dabei die einzelnen Fragmente zu einem großen Ganzen verbindend, und das in seiner unverwechselbar improvisierenden Art und Weise.
Das "Paris-Konzert" stellt einen Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn dar.
Der große Geschichtenerzähler Jarrett ("use your ears as eyes") spielte mit diesem Werk, einer Mixtur im kontrapunktischem Stil a la Bach und ekstatisch fulminanter (abendländisch angehauchter) Improvisation, ein Epos aus Licht und Schatten, Freude und Trauer ein und das alles in der ganzen Schönheit der Harmonie und Disharmonie.
Das "Paris-Konzert" wirkt geradezu organisch durch den Wechsel von eruptiver Expressivität und meditativen Passagen. Diese Gegensätze heben sich voneinander ab und bedürfen sich gleichzeitig, um existieren zu können. Das ständig wiederkehrende Ostinato-Motiv seiner linken Hand ist wie ein Puls, der beharrlich die Kontinuität fordert. Das Gebilde lebt, es atmet förmlich und man meint, dies könnte ewig so weiter gehen gleichsam einer Welle, wo einem Wellenberg ein Wellental folgt und umgekehrt. Aber alles Organische muss irgendwann aufhören zu existieren und so lässt Jarrett es, nachdem er es geschaffen hat, auch wieder sterben, gleich dem Schicksal allem Lebens. Es vergeht, langsam schwächer werdend, um dann in der Diffusität zu verschwinden.
Damit nicht genug, begeisterte er durch zwei wunderbare Zugaben das Pariser Publikum.
Einer Ballade namens "The Wind" und einem "Blues".
Der Blues sticht hier hervor, denn trotz des spartanischen Tonvorrats kreiert Jarrett einen Groove, der ultimativ zum Mitswingen anregt und Jarretts Genialität unter Beweis stellt.
Keith Jarrett setzt sich mit dieser Einspielung ein Denkmal, dass noch viele in seinen Bann ziehen wird.
Alles in allem eine CD, die in keinem CD-Schrank fehlen sollte !